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Yakuza 6 – The Song of Life
Nächtliches Selfie in der Tenkaichi Street

Yakuza 6 – The Song of Life

Kazuma Kiryu ist alt geworden. Aufgrund seiner stabilen Statur mag man es äußerlich nur an seinen tiefen Augenringen und markanten Gesichtszügen erkennen, doch im Alltag von Kamurocho wird ihm immer wieder verdeutlicht: Tokios berüchtigtes Vergnügungsviertel ist ein anderes als in den späten Achtzigern, als der damalige Jungspund die Leiter des organisierten Verbrechens erklomm und in den folgen drei Jahrzehnten zur lebenden Yakuza-Legende geworden ist.

Die widerwillige Rückkehr in sein einstiges Revier hat derweil ganz persönliche Gründe, denn Kiryus Ziehtochter Haruka wurde angefahren – zusammen mit einem Kleinkind, von dem der frisch aus dem Knast entlassene Endvierziger erst durch den Vorfall erfährt. Er vermutet, dass Feinde aus seiner Vergangenheit angreifen wollen, was ihm am wichtigsten ist, doch die Wahrheit geht meilenweit über einen simplen Racheakt hinaus…

… und eines in Onomichi

In den folgenden 40 bis 50 Stunden wird geneigten Spielern ein intensives Crime-Drama geboten, das durch ausführliche Dialoge oder Twists und Offenbarung en masse packender als viele TV-Formate ist; starke Darsteller (unter anderem Beat Takeshi und Hiroyuki Miyasako) tun ihr übriges.

Seit jeher steht dem ernsten Ton der Unterwelt jedoch der Alltag von Kiryu gegenüber, in dem man sich frei durch Kamurocho und Onomichi bewegen kann. Teils ganz schön skurrile Sidequests bringen Japans Bewohner und ihre Kultur auf unnachahmliche Weise näher, während etliche Nebenaktivitäten von der Story ablenken:

Kiryu füttert Katzen, geht fischen, trainiert, singt Karaoke, hängt mit Hostessen rum, testet Restaurants, spielt Darts oder Virtua Fighter, gründet eine Gang, wird Kapitän eines Baseball-Teams und Stammgast einer Bar oder verzweifelt an moderner Technik, um sich letztlich doch im Live Chat zu vergnügen.

Sonnenuntergangs-Selfie in Onomichi

Seit dem grandiosen Prequel „Yakuza 0“, das Kiryu durch seine erwähnten Anfangstage folgte, genießt die in Japan bereits etablierte Action-RPG-Serie endlich auch im Westen ein gewisses Ansehen.  Mit dem am Di., 17.04., für die Playstation 4 erscheinenden sechsten Teil wird sowohl chronologisch als auch technisch ein großer Satz gemacht, denn eine neue Engine lässt die Serie erstmals im waschechten Current Gen-Glanz erstrahlen.

Gelegentliches Screen Tearing und eine Reduzierung der Kampfstile fallen zwar negativ auf, doch dafür finden die hitzigen Straßenkämpfe und Gebäude-Transitionen endlich ohne Ladezeiten statt. Digitaler Tourismus war selten einnehmender!