Facebook

Der Alm-Reaktor

Hochgeschätzte Mitglieder der Akademie, ich nehme den Preis an und bedanke mich für Ihr Vertrauen in meine Person und in meinen Alm-Reaktor. Erlauben Sie, dass ich seine Funktionsweise noch einmal kurz erläutere.

Der Alm-Reaktor, das darf ich in aller Bescheidenheit anmerken, ist die Innovation in der Erzeugung emotionaler Energie. Beginnen wir bei den energetischen Elementen, den sogenannten „Arminen“: Bei Arminen handelt es sich um eine besondere Form der bekannten kritischen Masse. Langjährige Test haben ergeben, dass für einen optimalen Betrieb des Alm-Reaktors 17.000 bis 22.000 Arminen ausreichen. Doch auch mit geringerer Anzahl wurden in der Vergangenheit schon beachtliche Ergebnisse erzielt. Ein Armine ist randvoll mit reaktionärer Energie und jederzeit bereit, mit anderen Arminen zu fusionieren. Die Arminen werden zur Erzeugung der emotionalen Energie in einen Druckbehälter gebracht, den wir als „Alm“ bezeichnen.

Nun fragen Sie sich sicher, wie die Stimulanz zur Energiegewinnung erbracht wird. Ich darf ein Zitat aus dem berühmten Grundlagenwerk des unvergessenen Professor Tennberg zur Relation von Stimulanz und Kettenreaktion anbringen: „Elf Spieler, die elf Freunde sind, sie spielen mit dem Leder. Drum Freude auf den Rängen herrscht, das weiß bei uns ein jeder. […] Die Männer jubeln ihnen zu, viel mehr noch unsere Damen“.

Stimulatoren der Arminen-Energie sind also elf Spieler, die sogenannten „Blauen“. Die besondere Effizienz des Alm-Reaktors besteht darin, dass die Blauen nicht mit den Arminen, den energetischen Elementen, interagieren müssen. Das Spiel der Blauen mit dem Leder reicht, um Kettenreaktionen hervorzurufen. Seien Sie versichert, dass die Blauen ein hervorragendes Stimulanzmaterial sind – seit fast 113 Jahren erzeugen sie Reaktionen in hoher Spannungsbreite. Ich konnte in meinen Forschungen nachweisen, dass das Spektrum an emotionaler Energie weitaus umfassender ist als die seitens des geschätzten Tennberg genannten „Freude“ und „Jubel“.

Grundsätzlich herrscht im Alm-Reaktor eine „SpannungSpannung“ vor. Sie ist auch ohne Spannungsspitzen hoch. Der Grund hierfür sind die besonderen Druckverhältnisse im Alm-Reaktor. Die eng angeordneten Arminen reagieren sensibel auf das Spiel der Blauen mit dem Leder. Ebenso vielfältig sind die Energiestöße, die dabei erzeugt werden. In hohem Maße eindrucksvoll ist: „Bie-le-feld! Bie-le-feld!“.

Die bereits bei Professor Tennberg angedeutete „Jubelspannung“ entsteht bei besonders positiven Stimulanzen durch die Blauen. Je nach Intensität der Stimulanz reagieren die Arminen im Reaktor mit Applaus, „Schööön gespielt!“, „Jawooooll!“. Besonders intensiv wird die Jubelspannung bei der Reaktion „TOOOR!“. Diese Intensität wird nur noch nach der Betriebszeit des Reaktors gesteigert mit der Kettenreaktion „Alle auf den Zaun!“.

Allerdings konstatieren meine Erhebungen, dass ab und an eine sogenannte „Frustspannung“ auftritt. Dieses Phänomen hängt mit der emotionalen Komposition und Konditionierung der Arminen zusammen. Sie führen zu einer hohen kritischen Masse unter den energetischen Elementen. Frustspannung kann bei nahezu jeder Stimulanz durch die Blauen entstehen. Hierbei konnte ich folgende Stromstärken messen: „Der kann nix, der kann echt nix mehr“, „Wir betteln ums Gegentor!“, „MAAAANN!“ und „Hier gehe ich nie wieder hin!“.

Teilweise ist sogar eine Negativ-Reaktion auf einzelne Blaue festzustellen: „[xy] raus!“. Mein Team und ich arbeiten noch daran, die Ursachen dafür zu finden. Ob es jemals möglich sein wird, die Frustspannung zu kontrollieren – dazu kann ich noch nichts sagen. Eine Lösung, das sei zugegeben, ist wenig wahrscheinlich.

Die Einspeisung der Spannungen ist einfach. Hierzu werden die bereits vorhandenen Netze genutzt. Telefon, WLAN, in diesem Zusammenhang sind vor allem die sozialen Netze von Bedeutung. Meine Tests haben gezeigt, dass 90 Minuten Reaktorbetrieb ausreichen, um den gesamten Regierungsbezirk Detmold mindestens eine Woche lang mit emotionaler Energie zu versorgen. Auch deren Speicherung stellt kein Problem da: In den sozialen Netzen wird man immer auf Spannungsspitzen wie „DFB-Pokal“ zurückgreifen können ebenso wie auf Spannungsabfälle wie „Relegation gegen Darmstadt“ – mit allen zusammenhängenden Facetten der emotionalen Energie.

Natürlich fragen Sie jetzt nach der Reaktorsicherheit. Ich muss einräumen, dass im Alm-Reaktor Explosionen an der Tagesordnung sind und vor allem im Zusammenhang mit der „Jubelspannung“ vorkommen. Die Explosionen beschränken sich aber meist auf den Reaktor selbst und gelangen nur im Falle einer aufsteigenden Überladung nach außen. Aber auch dann sind sie für die Bevölkerung bis auf gelegentliche Sperrungen im Bereich des Rathauses völlig unschädlich. Was die Entsorgung und Endlagerung der energetischen Elemente betrifft, seien Sie gewiss: Arminen kommen genau so verstrahlt aus dem Almreaktor heraus, wie sie reingekommen sind.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit! Prost!

Autor: Jan-Hendrik Grotevent (Twitter: @kickengucker)