Facebook

Grotevent über Arminia und… Bob Ross?

Ein Leben, eine Liebe in den Farben Schwarz, Weiß, Blau! Schwarz, Weiß, Blau sind alle unsere Farben. Als Repräsentanten der ostwestfälischen Gloria sind sie absolut ehrenhaft. Aber sie haben einen Nachteil…

 Sicher haben sich auch schon viele Leser vom unvergessenen Bob Ross in den Schlaf malen lassen. Falls nicht: Bob Ross ist ein amerikanischer Maler. Seine Malkurse laufen im Spät-TV in Dauerschleife und es gibt kaum etwas Entspannenderes, als ihm zuzugucken, wenn er mit sanfter Stimme erklärt, wie der „Two inch brush“ eingesetzt wird. Bob Ross bringt mit Vorliebe Winterlandschaften auf die Leinwand mit dem Kommentar: „So cold, you better put your coat on.“. Und welche Farben hat er dabei immer auf der Palette? Midnight Black, Titanium White und Phthalo Blue.

Es ist nämlich, wie es ist: Arminias Farben Schwarz, Weiß und Blau sind sogenannte „kalte“ Farben. Und um mal die volle Haarspalterei auszupacken: Schwarz und Weiß sind genau genommen noch nicht mal Farben. Jeder kann die Probe aufs Exempel machen und sich unser Vereinslogo einmal vor einem verschneiten, nächtlichen Nadelwald und dann einmal vor einer blühenden Sommerwiese vorstellen. Wo wirkt es besser? Richtig, vor der idyllischen, aber kalten und finsteren Winterkulisse.

Schwarz. Schwarz ist unergründlich und geheimnisvoll. Schwarz steht für Düsternis und Grusel. Auch Arminia ist unergründlich und geheimnisvoll, nicht nur, weil wir uns nach Fehlpässen oder Abwehrschnitzern fragen: „Was sollte das jetzt?!“. Und sie ist gruselig, nicht nur bei gefühlt zwei von drei Blicken auf die Tabelle. Das Schwarz Arminias symbolisiert all unsere vielen, oft unerklärlichen Ängste rund um den DSC. Das Gefühl bei Gegners Freistoß in der Nachspielzeit. Die dauerhafte Angst, entweder auf die sportliche, die finanzielle oder sonst irgendeine Falltür zu treten.

Weiß. Weiß steht für Reinheit und Unschuld. Aber auch für Erlösung. Arminia hat nichts mit Reinheit zu tun. Nichts, das fast 113 Jahre alt ist, hat was mit Reinheit zu tun. Gleiches gilt für Unschuld, sieht man mal davon ab, dass eine gewisse Naivität auf und neben der Alm nicht von der Hand zu weisen ist. Aber Erlösung – darauf warten wir Arminen immer. Sei es, dass der Ausgleich oder das Siegtor noch fällt. Sei es der Sieg selbst. Sei es der Dreier, das Tabellenklettern, der Klassenerhalt oder Aufstieg. Sei es das Bündnis Ostwestfalen.

Und dann noch Blau. Blau ist kalt, aber sympathisch. Blau ist eine dominante Farbe. Blau symbolisiert Ferne, Weite und Unendlichkeit. Blau ist die Farbe der Treue. Arminia ist doof, aber sympathisch. Sie dominiert…na ja, manchmal. Und mit Arminia in die Ferne – Auswärtssiege sind schön! Die Weite der Alm! Und trotz allem den Blick nach oben, denn Blau ist auch die Farbe des Himmels, ach was. Und was die Treue betrifft: Wir sind immer dabei, ob nah oder weit, in Ewigkeit! Ja, die Blauen sind die Blauen.

Gut, vom symbolischen Standpunkt aus hat Arminia die zu ihr passenden Farben. Wie und was würde Bob Ross mit ihnen malen? Als erstes natürlich den Himmel als Hintergrund. Viel blau, etwas weiß. Viel Treue, durchsetzt mit Hoffnung auf Erlösung, auf den Weg voran. Davor malt Bob ferne Berge. Viel schweres Schwarz, gemischt mit etwas Blau und einer weißen Schneeschicht. Wir gehen auch in schweren Zeiten zu Arminia.

Trotz Ängsten – das ist dann im Gemälde ein schwarzer Wald, der vor den Bergen liegt. Dann pinselt Bob einen zugefrorenen See in den Vordergrund. Viel Blau. Die Treue bleibt auch im Hier und Jetzt. Auch hier weiße Akzente, denn auch im Hier und Jetzt bedeutet das Tor, der Dreier, eine Erlösung. An die Seiten und ganz nach vorne kommen bei Bob Ross schließlich schwere, schwarze Tannen. Denn das Gegentor in der Nachspielzeit, die Niederlage im Sechs-Punkte-Spiel, der Relegationsplatz, am Wochenende, das ist das unmittelbar fühlbare Schwarz.

So kreiert der Maler mit der Afrofrisur eine schwarzweißblaue Arminia-Landschaft. Es ist Winter, es ist kalt und düster. Doch bei Bob Ross gibt es auch immer die „happy little clouds“. Freie, weiße Flecken wie ein 5:0 und eine Aufstiegspartie. Es gibt „happy little bushes“ aus Blau und Weiß als Zeichen, dass die Erlösung die Treue auch immer wieder belohnt. Und was die Bäume betrifft, sagt Bob Ross: „Every tree needs a friend“ und malt einen weiteren. Wir Arminen mögen uns oft finster fühlen, aber wir gehen weiter, gehen weiter mit dem Schal, schwarzweißblau. Und wir gehen niemals allein. Und wir gehen niemals allein.

Unser Arminia-Wintergemälde ist vielleicht kalt und stellenweise düster, aber es ist auch sympathisch und idyllisch. Es hängt vielleicht nicht im Museum, macht sich aber super zu Hause über dem Sofa. Und da, zu uns nach Hause, gehört es auch. Das Bright Red der Leidenschaft, das Sap Green der Hoffnung und das Cadmium Yellow des Optimismus müssen wir halt dann und wann von der Tribüne dazu mischen. „It’s your world. It’s your imagination. You decide.“, sagt Bob Ross.

Autor: Jan-Hendrik Grotevent (Twitter: @kickengucker)