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Neuland in Sicht: Sascha Berg im Interview

Ein klares „Nein!“ entfährt Sascha Berg, 48 Jahre alt, auf die Frage, ob ihm am Cafe Europa bereits etwas fehle. „Wir hatten am letzten Abend alle unseren emotionalen Moment, doch jetzt ist das abgeschlossen. Es ist alles erreicht worden und du kannst an gewisse Dinge nicht mehr anknüpfen, ohne dir zu denken, dass es früher noch besser war. Du fragst dich, wann mal wieder etwas kommt, das totales Neuland ist.“

In der Stadtheider Straße konnte es zum Jahresbeginn endlich erschlossen werden – an einem Ort, der jedem ostwestfälischen Nachtmensch ein Begriff sein dürfte. Was bleibt, was geht, was wird im Ringlokschuppen?

 

Zu Beginn einmal für’s Protokoll: In welcher Funktion bist du hier, im „neuen“ Ringlokschuppen, tätig?
Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der neugegründeten Lokschuppen Event GmbH, die wiederum eine Schwestergesellschaft der fast4ward GmbH ist. Diese neue GmbH gibt es, weil neben den Firmenveranstaltungen von fast4ward natürlich weiterhin zahlreiche öffentliche Veranstaltungen geplant sind – unter anderem Konzerte, Disco, Lesungen oder das beliebte Rudelsingen.

Im letzten Jahr herrschte eine ganze Weile lang Unklarheit, wie es mit dem Ringlokschuppen weitergehen würde. Kannst du die zeitliche Abfolge der Dinge umreißen und beschreiben, wie ihr vom Cafe Europa hierher gekommen seid?
Grundsätzlich haben Cafe Europa und Ringlokschuppen nichts miteinander zu tun; das sind zwei völlig voneinander unabhängige Entscheidungen gewesen. fast4ward war 18 Jahre lang Veranstalter – und nicht Betreiber – im Cafe, sprich zuständig für das Musikprogramm, die Bewerbung et cetera.

Friederike von Spiegel, die dort als letzte in der Betriebsgesellschaft übrig geblieben ist, hat sich entschieden, nicht weiterzumachen und uns daraufhin gefragt, ob wir übernehmen möchten. Aufgrund unseres Schwerpunkts auf Firmenveranstaltungen und Eventlocations passte das allerdings nicht wirklich in unser Portfolio – zumal das Cafe Europa nur einen Discobetrieb zulässt, das ist allein schon baulicher Natur.

Was den Ringlokschuppen angeht, wurden wir im Sommer angesprochen. Obwohl wir uns vorher überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt hatten, sollte es dann ganz schnell gehen; Planziel war damals der 01. September. Das war für uns so kurzfristig nicht möglich. Ende Oktober deutete sich an, dass die Niederländer (ein Investmentfond und ehemaliger Besitzer der Lokalität; Anm. d. Red.)  auch zu einem Verkauf bereit wären.

Hier in Bielefeld haben sich dann die vier neuen Eigentümer gefunden, die sich fast4ward als neuen Mieter gewünscht und entsprechend das Gespräch mit uns aufgenommen haben. Wir konnten uns das vorstellen und waren zunächst von einer Übernahme irgendwann im April 2018 ausgegangen; dass es nun schon der 01. Januar geworden ist, ist dem zügig abgewickelten Verkauf geschuldet.

Es gibt nach 18 Jahren Nachtleben am Jahnplatz also keine Ermüdungserscheinungen?
Als Veranstalter ist man ja in einer sehr kreativen Rolle. Ich glaube, es ist schwierig, daran den Spaß zu verlieren! Das ist ja der Aspekt, der dich motiviert. Wir sehen das hier als große Herausforderung, aber auch als große Chance und sind uns der Tradtion bewusst.

Wie wird sich das in den Events wiederspiegeln?
Wir haben viele alte Termine übernommen, sei das der Fiese Freitag oder die Depeche Mode-Party. Das sind Veranstaltungen, die dringend erhaltungswürdig sind. Gleichzeitig gibt es mit Sicherheit auch Konzepte, an denen man feilen oder die man ersetzen muss. Auch die Konzertveranstalter waren teilweise verunsichert, wie es hier weitergehen würde. Also haben wir bereits im Dezember angefangen, ihnen da Planungssicherheit, auch über 2018 hinaus, zu vermitteln.

Übrigens wird es zukünftig häufiger passende Aftershowpartys nach Konzerten geben. Wenn hier HipHopper auftreten und drüben im Anschluss meinetwegen Fieser Freitag ist, wäre die Überschneidung gleich null. Deswegen haben wir letztens eine Aftershow mit Dens und Henderson von Hardsoul direkt nach dem Trailerpark-Konzert gemacht, wo einfach mal richtig Stimmung war.

Was fiel zwischen Übernahme und Wiedereröffnung für euch an?
Wir hatten innerhalb von den zehn Tagen wirklich eine Menge zu tun. Mit einem Riesenteam haben wir ordentlich aufgeräumt, die Kühltechnik ersetzt… es gab viel Wartungsstau und in die Jahre gekommene Gerätschaften.

Es müssten 95 Mitarbeiter sein, die wir im Rahmen der Betriebsfortführung übernommen haben und die wir natürlich erst einmal kennenlernen wollten, ehe sie zum Beispiel auf das neue Produktsortiment geschult werden. Ein paar Sachen konnten wir noch nicht sofort ändern, so gibt’s das neue Kassensystem erst in einigen Wochen. Der Rest wird dann im Sommer erledigt, nun wollten wir erst einmal etwas Normalität in den Betrieb bringen.

Wo werden die Schwerpunkte dieser Renovierung liegen?
Die größte bauliche Maßnahme ist mit Sicherheit die komplette Erneuerung des Fußbodens. Wenn das Baukommando hier erst einmal drin ist… ich habe gehört, dass wir den Laden mehrere Tage nicht betreten können, wenn der Boden frisch gegossen ist. Alle anderen Sachen sind aktuell noch in der Planung, so dass ich da noch nicht ins Detail gehen kann. An der Wand- und Thekengestaltung wird sich aber ebenfalls etwas tun. Generell wollen wir hin zur Multifunktionalität, gerade im Großen Saal.

Und dem sommerlichen Außenbereich geht es an den Kragen?
Ja. Der Pool ist längst weg, da wird alles neu gemacht und soll am Ende deutlich mehr Biergarten als Beach sein. Wenn man strandbezogene Events will, kann man so etwas mal ein Wochenende lang machen… aber ein ganzes Jahr lang hat das hier nichts verloren.

Ihr habt kürzlich euer neues Logo veröffentlicht, auf dem nur noch der „Lokschuppen“ ausgeschrieben ist, wie bei der GmbH. Steht noch eine offizielle Umbenennung an?
Der „Ring“ ist ja optisch immer noch da und steht oben drüber, quasi als Luftansicht mit  Hallenaufteilung. Das „Lok“ ist dünn, weil die Location anfangs nur „Schuppen“ hieß. Eine Legende besagt übrigens, dass Sven Väth damals nicht in einem Schuppen auftreten wollte… trotzdem würden wir das als Kurzform gerne wieder etablieren.

www.ringlokschuppen.com + www.facebook.com/ringlokschuppen