Facebook

Interview: Wachablösung im Cafe Europa

Vor knapp zehn Jahren ist Peter Daletzki zum Studieren nach Paderborn gezogen und war dort lange Zeit für die Musik in der Residenz verantwortlich. Auch im Go Parc, im Elephant Club oder im Cafe Europa hat er sich zeitweise als DJ verdingt und so Tom Peitzmeier und Nico Thebille kennengelernt – eine Begegnung, die ihn letztlich zum Hermann’s Club in Detmold führen sollte. Nachdem die drei Geschäftspartner aus dem Objekt, das laut Peter vorher bloß noch „verbrannte Erde“ war, eine erfolgreiche Anlaufstelle für Nachtschwärmer gemacht haben, geht es in Bielefeld an wohlbekannter Stelle weiter!

Erinnerst du dich an deinen ersten Besuch im Cafe Europa?
Das müsste 2008 gewesen sein. Mein Cousin meinte, ich müsse unbedingt mal nach Bielefeld kommen. Während er hier Stammgast war, war ich zu der Zeit eher Nightlife-Muffel. Aber dann sind wir hoch zur Galerie: Auf dieser Glühbirnenwand war es am blitzen und blinken, während dezibL den Seamus Haji-Remix von Rihannas „Umbrella“ gespielt hat. Ich war total beeindruckt vom Feeling, das da oben herrscht.

Wie hast du auf professioneller Ebene hierher gefunden?
Über unseren Kontakt beim damaligen Getränkelieferanten hatten wir erfahren, dass sich (die bisherige Betreiberin) Friederike von Spiegel umorientieren wolle und sich zunächst in aller Stille nach möglichen Nachfolgern umsieht. So kam der Stein ins Rollen.

Welche Rolle bekleidest du?
Genau wie in Detmold sind wir alle drei Gesellschafter. Ich bin Geschäftsführer und meine Hauptaufgaben liegen hauptsächlich im Marketing und in der Programmplanung.

Fiel euch die Entscheidung pro Bielefeld leicht? Mit der Skala und der HeimatLiebe sind hier in jüngerer Vergangenheit ja zwei vergleichbare Großprojekte gescheitert.
Mit dem Déjà Vu und dem Hermanns sind wir in einer recht angenehmen Position, da wir in Verl und Detmold weitgehend konkurrenzbefreit sind. Mit guter Arbeit kann man da viel erreichen. Bielefeld ist im Vergleich mit Sicherheit kein einfaches Pflaster. Mit der HeimatLiebe haben wir uns tatsächlich befasst, da auch mal im Gespräch war, dass wir beim Stadtpalais womöglich ins Boot geholt werden… und wenn man so etwas wie mit der Skala sieht, macht man sich natürlich so seine Gedanken.

Peter (Mitte) am Eröffnungswochenende

Fakt ist aber auch: Das Cafe Europa steht nicht zuletzt auch vor Geschäftspartnern für Beständigkeit und ist, genau wie es in den alten Pressemitteilungen immer hieß, eine Institution. Jetzt wollen wir ihr zu neuem Glanz verhelfen.

Dein Fazit zum Eröffnungswochenende?
In sozialen Medien wird ja meist Negatives erwähnt. Insofern ist es wohl positiv, dass es keine negativen Äußerungen gibt! Zumindest haben wir bisher keine gesehen. Selbstverständlich müssen wir an einzelnen Stellen noch nachjustieren – etwa, dass Einlass und Garderobe schneller funktionieren oder die Abläufe an der Theke optimiert werden. Es war an beiden Eröffnungstagen allerdings rappelvoll; insofern ziehe ich meinen Hut vor dem Team, dass es das auf Anhieb so gemeistert hat!

Habt ihr die bisherigen Mitarbeiter übernommen?
Alle, die wollten. Gleichzeitig haben wir relativ viele Neue hier, das ist eine gute Mischung. Jetzt ist es Aufgabe, dass das Team zusammenwächst und wir hier etwas von der familiären Atmosphäre unserer anderen Läden einbringen. Interessant ist für die Jungs und Mädels die Möglichkeit, Trinkgeld zu verdienen – das ging mit dem alten Kartensystem bekanntlich nicht.

Vorab wurde ausgiebig renoviert. Lief das reibungslos ab?
Das Gebäude ist von 1930 und man sieht es auch, sobald man mal irgendwo eine Trockenbauwand entfernt. Elektrische Geschichten haben viel Zeit gekostet; wir haben etliche Kabel gezogen und mussten während des Umbaus schon getroffene Entscheidungen doch wieder rückgängig machen. Das Konstrukt unter der Decke sah auf Zeichnungen noch ganz anders aus, bis uns der Statiker darauf hingewiesen hat, dass das absolut nicht realisierbar sei. Dieses gesamte Makeover in drei Wochen durchzuziehen, hat uns auf jeden Fall einige Nerven und Nachtschichten gekostet.

Was ändert sich im Programm?
Wir haben uns dagegen entschieden, mit allzu vielen externen Veranstaltern zusammenzuarbeiten und stellen uns mit eigenen Events und Mottos auf – etwa „Turbo Trash“, „Best of 2000“ oder die urbane Reihe „Dickes B“; die wird es vorrangig freitags geben. Der Samstag ist und bleibt der Klassiker, der für gute Musik und Unterhaltung steht. Der Mittwoch wiederum wurde mit langem Atem super aufgebaut, so dass wir hoffen, die Stadt mit ihm unter der Woche noch attraktiver zu machen. Außerdem würden wir in Zukunft gerne eine Ü30-Party etablieren!

Abschließende Worte?
Wir möchten jede Altersstufe zufriedenstellen und freuen uns, wenn uns die Leute abchecken. Das Cafe soll nicht nur der Teenie-Laden sein, als der es zeitweise in Verruf geraten war, sondern auch Leute wie mich – also 28 und aufwärts – ansprechen. Generationsübergreifendes Feiern, herzlich willkommen!

www.cafeeuropa.de

Vergleichbare Artikel