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Auf einen Drink im Barbershop Sauer
Fotos: Mark Gnoth

Auf einen Drink im Barbershop Sauer

Niemand wird ernsthaft behaupten können, dass es Bielefeld an Friseuren mangelt. Gefühlt in jeder zweiten Straße wollen uns Schilder mit immer aberwitzigeren Wortspielen ein Schmunzeln entlocken oder zumindest darauf hinweisen, dass man sich dort die Haare schneiden lassen kann. Wie kommt es also, dass ein Neuling nahe des Niederwalls trotzdem eine klaffende Lücke schließen konnte?

Wo unter Namen wie Etage 1 oder The Laden einst hauptsächlich Klamotten unter’s Volk gebracht wurden, stößt man heutzutage auf die Auswahl eines Bretz Flagship Stores. Inmitten verspielter Designersofas dauert es jedoch nur einen kurzen Moment, ehe der Blick in den rechten Bereich der geräumigen Fläche fällt – immerhin wird das Auge von einer direkt vor einer Theke geparkten Harley Davidson angelockt.

Es handelt sich bei diesem Areal um den Arbeitsplatz von Richard Sauer, der sich im Rahmen eines Shop-in-Shop-Konzepts im Oktober letzten Jahres hier niedergelassen hat und seitdem eine ungewöhnliche, aber gern gesehene Ergänzung zum Möbelangebot darstellt: Er betreibt einen Barbershop, der Männern mithilfe ganz altmodischer Mittel einen zeitgemäßen Look verleiht.

Firlefanz ist fehl am Platz

Im Radio habe ich mal erzählt, dass es hier keine Farben, keine Frauen und keinen Schnickschnack gibt“, umreißt Richard das Konzept mit einem Lächeln, „das kam gut an.“ Chemie und anderer „Firlefanz“ haben im Barbershop demzufolge keinen Platz und müssen klassischen Instrumenten weichen, um dem typischen Stil zu entsprechen: Auf die angefeuchtete Haut wird zunächst Schaum per Pinsel aufgetragen, bevor mit dem Messer rasiert wird – ein Prinzip, das sich sowohl auf das Haupthaar als auch den Bart anwenden lässt und viel Präzision erfordert.

Für ausgefallene Muster und ähnlich aufmerksamkeitshaschende Verzierungen haben Richard und sein jüngst eingestellter Kollege Eddie allerdings herzlich wenig übrig. „Wer bei uns anruft, um sich Zickzack oder Linien in den Bart schneiden zu lassen, ist leider an der falschen Adresse gelandet“, erklärt Richard ohne großes Bedauern.

Mann trinkt pur

Dass das angenehme Drumherum im Barbershop Sauer eine gewichtige Rolle spielt, wird nicht nur durch die schmückende Harley verdeutlicht: Auf der Theke stehen Zigarren für den prunkvollen Verzehr bereit, während ein Regal nebenan eine geschmackvolle Selektion an Spirituosen offenbart.

Wir sind eine Partnerschaft mit Campari eingegangen und haben dazu diese Theke hier eingebaut, hinter der wir auch arbeiten. Das verleiht Charakter… und natürlich brauchen wir dafür dann auch ein bisschen Sprit“, verrät Richard vergnügt.

Es kann schonmal vorkommen, dass sich ein Kunde schon vormittags ein Glas gönnt, wenn er an dem Tag zum Beispiel nicht mehr arbeiten muss“, führt der Chefbarbier aus. „Man besäuft sich hier ja aber nicht. Du kriegst zu deinem Haarschnitt halt ‘nen wirklich guten Whiskey, wenn du möchtest. Das ist ein Genießer-Ding.

Lediglich am „Langen Donnerstag“ kann durchaus mal „der eine oder andere Liter über die Theke“ gehen, da an jenem Tag bis 22 Uhr geöffnet ist. „Wer um 21 Uhr seinen Termin hat, kommt da gerne auch mal zwei Stunden eher, so dass hier eine nette Atmosphäre herrscht und wir mit zehn bis zwölf Leuten einen lustigen Abend haben.

Im Laufe der Zeit haben sich gewisse Favoriten natürlich herauskristallisiert, wie Richard andeutet: „Monkey Shoulder und Tullamore Dew gehen wahrscheinlich am meisten weg, während die Kenner natürlich gern etwas Teures nehmen, den Glenfiddich zum Beispiel.

Ein entschiedenes „Ja, absolutes No Go!“ entfährt ihm abschließend auf die Frage, ob man an seiner Theke für die Vermischung mit Cola schief angeguckt wird. Ob Haarschnitt, Bart oder Whiskey – im Barbershop Sauer wird überflüssiges Beiwerk ausgeklammert!

Barbershop Sauer
Marktstraße 2-4
33602 Bielefeld
0521 – 911 726 75
www.barbershop-sauer.de

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