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Zwischen Ring und Raucherpause: Bobby Gunns
Foto: Sidekick Photography

Zwischen Ring und Raucherpause: Bobby Gunns

Der Merchandise-Stand steht, alle Sitzbänke sind aufgebaut – das Forum ist schon am Nachmittag bestens auf volles Haus vorbereitet. Im Ring besprechen Jurn Simmons, David Starr, Marius Al-Ani und weitere Hünen gerade eine Sequenz für den späteren Abend, als uns vor Augen geführt wird, dass eine richtige Grippewelle auch vor den härtesten Hunden nicht Halt macht: John „Bad Bones“ Klinger, den aktuellen Unified Champion der wXw, hat’s übel erwischt.

Neben unserem Interview muss der Träger des höchstens Titels der wichtigsten deutschen Wrestling-Promotion später auch seine Teilnahme an der Show selbst absagen. Glücklicherweise ist der Lokalzuständige Jens Mandel zur Stelle und kehrt nach kurzer Rücksprache mit Geschäftsführer Christian Michael Jacobi, der einen wachsamen Blick auf alle Vorbereitungen zu werfen scheint, zurück: Bobby Gunns kann einspringen und sitzt keine fünf Minuten später mit uns am Redaktionstisch.

Der als Robert Schild geborene Mittzwanziger verkörpert den „King of Smoke Style“, einen betont maskulin auftretenden Wrestler mit äußerst gesundem Selbstbewusstsein und einer offen zelebrierten Nikotinsucht. Bobby lädt wXw-Fans zur „Raucherpause“ und kommt sogar mit Kippe zum Ring; allen „Rauchverbot!“-Chants zum Trotz.

Jeder Anfänger weiß natürlich, dass kurz vorm Sport noch eine zu rauchen so ziemlich das Schlimmste ist, was man machen kann“, zeigt er sich einsichtig. „Aber ich bin der Mario Basler unter den Catchern. Über’s Aufhören habe ich zwar mal nachgedacht, doch das Gimmick ist einfach zu stark“, bedauert er mit einem Augenzwinkern.

Immerhin trifft Bobby gewisse Gegenmaßnahmen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten:  „Ich mache doppelt so viel Cardio wie die meisten anderen. Muss ich einfach, da ich gerade für ‘nen Sportler schon ein wirklich starker Raucher bin. Besonders im Sommer, im Ring, in der Halle, unter den Scheinwerfern, merke ich das… aber mit Leuten wie uns musst du sowieso nicht über medizinische Nachhaltigkeit diskutieren!

Ein Ringer wird Wrestler
Im einstelligen Alter gerät Bobby über seinen Vater ans klassische Ringen, ehe ein Freund ihn wenige Jahre später auf eine Übertragung „seines“ Sports im Fernsehen aufmerksam macht. Diese Übertragung erweist sich schnell als WWE-Show, was jedoch keinesfalls für Enttäuschung sorgt: „Damals mit Rey Mysterio Jr. oder Kurt Angle… ich habe es wirklich sofort geliebt“, schwärmt Bobby.

Zu dieser Zeit malt er sich noch nicht aus, dass Wrestling auch in Deutschland stattfindet und ist umso begeisterter, als er schließlich seine erste Live-Show besucht. „Mit 18 habe ich die wXw angeschrieben, ob ich nicht mal ein Tryout machen könne. Das fand im Sommer 2011 statt und seitdem bin ich dabei“, blickt er zurück.

Bobbys Bewegungen im Ring sind stark von seiner jugendlichen Sozialisation geprägt und beinhalten neben Elementen aus dem griechisch-römischen Ringen auch „viele Aufgabegriffe. Dieser klassische Stil wurde in Deutschland früher viel gekämpft und schon vor Jahrzehnten von Axel Dieter Sr. oder Roland Bock in die USA und nach Japan getragen.

Gefragt nach seinen Wunschgegnern unter den aktuell Aktiven wendet Bobby den Blick ebenfalls zum Land der aufgehenden Sonne: Einem Rematch gegen Submission-Spezialist Zack Sabre Jr. wäre er alles andere als abgeneigt; sein absolutes Traummatch würde jedoch gegen Zacks furchteinflößenden NJPW-Stablemate, die Pancrase-Legende Minoru Suzuki, stattfinden.

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