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Arminia Bielefeld: Bekannt? Berühmt? Bedeutend?

Einst stolperte der Rundumbeobachter in völlig anderen Zusammenhängen über die Unterscheidung dieser Begriffe. Und wie so oft kam es vor, dass sich bei ihm automatisch eine Synapse zur ostwestfälischen Gloria auftat…

Erinnert sich noch jemand an Daniel Küblböck? Falls nicht, ist das nicht schlimm. Dessen Karriere begann Anno Tabak in irgendeiner Castingshow und endete im Wrack eines Gurkenlasters. In einem dieser Null-Uhr-auf-arte-Gespräche sagt Felix Magath mal über ihn: „Er mag bekannt sein. Er mag sogar berühmt sein. Aber eines – und da können Sie sicher sein – wird er niemals werden: Bedeutend!

Was Daniel Küblböck betrifft, hat Schleifer Quälix recht gehabt. Aber wie sieht das bei unserer Arminia aus? Um „bekannt“ zu sein, braucht es nicht viel; lediglich viele Leute, die Arminia kennen. Und in der Allgemeinheit ist Arminia ein Begriff.

Wenn man wild auf den Straßen der Republik herumfragen würde, bekäme man wohl solche Antworten: „Joa, ein Fußballverein“ oder „Joa, ein Fußballverein aus Bielefeld“. Vielleicht bekommt man sogar die eine oder andere Ergänzung zu hören, etwa „Dritte Liga, oder? Zweite? Ja, Zweite Liga.“ oder „Bielefeld gibt’s doch gar nicht, höhö.

Gut, also ist Arminia bekannt. Zumindest wird sie nicht für einen Gurkenlaster gehalten und es gibt kaum jemanden, der verständnislos die Achseln zuckt, wenn er oder sie „Arminia Bielefeld“ hört. Bei „berühmt“ wird es schon enger für unseren DSC. Als Berühmtheit muss man vielen Menschen durch besondere Qualitäten oder besondere Leistungen bekannt sein. Dabei ist das „Besondere“ relativ.

Besonders toll gibt es ebenso wie besonders bescheuert. Was ist da bei Arminia so besonders, dass es besonders erwähnenswert ist? Zwanzig Bundesligajahre und drei Pokal-Halbfinals. Vielleicht sogar westdeutsche Meisterschaften aus einer Zeit, als Leute „Butterbürste“ hießen und auch so aussahen. Oder der Bundesligaskandal, der Rekordabsteiger und stadionbezogene Bauvorhaben. Aber sind diese Arminia-Besonderheiten berühmt? Wenn man wild auf den Straßen der Republik herumfragen würde, käme man – ja, das müssen wir hier leider aussprechen – zu einem ernüchternden Ergebnis.

Nichts vergeht im rasanten Fußballgeschehen so schnell wie der Glanz von Pokalsensationen und Aufstiegen. Außerdem sind diese auch nichts besonderes, das haben schon ganz andere geschafft. Rot-Weiss Essen etwa war im Pokal schon zweimal weiter, als Arminia je gekommen ist. Und wie Fahrstuhlfahren geht, kann man sich auch in Nürnberg angucken. Die Antworten auf den Straßen der Republik würden nicht über die schon dargestellte Bekanntheit hinausgehen.

Die bittere Wahrheit ist nun mal die: Arminia ist eine „Graue Maus“ und nicht „berühmt“. Das hat aber auch einen Vorteil: Die Trotteleien sind ebenso unbekannt. Immerhin etwas.

Trotzdem scheint es kaum lohnenswert, noch nach dem „bedeutend“ zu fragen. Dazu müsste Arminia ein besonderes Gewicht und eine besondere Tragweite haben. Sie müsste bei vielen für etwas Besonderes akzeptiert werden. Oder von vielen gelobt. Oder von vielen respektiert. Oh je, da sind sie schon wieder, die „Vielen“, die Arminia nur vom Namen kennen. Doppeltes Oh je, da ist auch dieses „Besondere“ schon wieder, das Arminia in der gnadenlosen Objektivität der Antworten auf den Straßen der Republik nicht hat.

Doch wird es da auch andere Antworten geben. Es werden nicht viele Antworten sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit sind diese Antworten regional begrenzt – rund um da, wo es nicht geben tut. Aber diese Antworten werden Pokalhalbfinals aufführen. Sie werden angeben, die Fahrstuhlritte miterlebt und mitgefühlt zu haben. Sie werden mit der Butterbürste etwas anfangen können und die Ironie in der Formulierung „stadionbezogenes Bauvorhaben“ erkennen und sie teilen. Sie werden ein besonderes Gewicht darin sehen, dass ein bis dahin unbekannter Luxemburger auf dem Thron des gewesenen Power-Ernst sitzt, eines Mannes von besonderer Tragweite.

Es wird diese Antworten geben, die mit Vehemenz betonen, nie wieder etwas mit Arminia zu tun haben zu wollen, die nie wieder hingehen, obwohl die Dauerkarte in der Brieftasche und die Siegeszigarre im Etui bereits auf ihren nächsten Einsatz warten. Es sind Antworten, die nicht nur eine besondere Form von Akzeptanz sind, sondern auch etwas Besonderes akzeptieren. Es wird solche Antworten geben, die von Tränen gegen Darmstadt, Tränen gegen Werder Bremen, Tränen vor dem Rathaus bei der Aufstiegsfeier und Tränen vor dem Rathaus während des Öffentliche-Hand-Anschnorrens sprechen. Und all diese Tränen zeugen von einer besonderen Form von Lob. Und auch von dem Lob für etwas Besonderes.

Arminia ist also bekannt. Schön. Arminia ist nicht berühmt. Egal. Aber Arminia ist bedeutend. Für uns.

Autor: Jan-Hendrik Grotevent (Twitter: @kickengucker)

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