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In Eigenregie ins Autorentum
Alle Fotos: Stanislav Hagin

In Eigenregie ins Autorentum

Neben dem Bielefelder Gorilla Verlag hat uns Marc Kemper mit seinem Debütroman „Schmerzflimmern“ zuletzt wieder daran erinnert, dass lesenswerte Literatur auch von jungen Leuten und aus der Gegend kommen kann. Seinem Mystery-Thriller mit Zeitreise-Elementen lässt der Filmfan noch dieses Jahr ein Sequel folgen, das wir als Anlass zu einer kleinen Befragung rund ums „Wie“ genommen haben!

Lässt sich dein schreiberisches Schaffen auf ein entsprechendes Studium zurückführen?
Nicht direkt; man könnte mich schon als Quereinsteiger bezeichnen. In den ersten paar Semestern meines Filmstudiums hatte ich allerdings sehr hilfreiche Kurse im Bereich Stoffentwicklung. Das war schon sehr informativ, da Drehbücher und Romane in ihrer Entstehung sehr viel gemeinsam haben. Ein Germanistikstudium hätte den Prozess sicher bereichert, ich halte es allerdings nicht für zwingend notwendig. Wenn man etwas zu erzählen hat, wird sich das ungeachtet der eigenen Qualifikation seinen Weg nach außen bahnen.

Dein Debütroman „Schmerzflimmern“ ist im Herbst 2016 erschienen. Kannst du für Uneingeweihte umreißen, was darin passiert?
Im Buch lernen wir den Mittzwanziger Gregor kennen. Auf ihm lastet ein Fluch, der ihn zwingt, das Ableben jeder Person, die er berührt, mit anzusehen. Diese auf ihn einprasselnden Todesvisionen lassen Gregor zu einem lethargischen Zyniker werden. Erst die draufgängerische Elise lockt ihn aus seiner Komfortzone und zwingt ihn, wieder proaktiv am Leben teilzuhaben. Natürlich hält auch dieser Aufwind nicht ewig an und die beiden werden schnell mit einem Unheil konfrontiert, welches nur mithilfe von Gregors mysteriöser Kraft abgewendet werden kann.


Du hast den ersten Roman auf eigene Faust veröffentlicht und hast das mit dem zweiten wieder vor, richtig? Was bedeutet das praktisch; musst du dich deshalb wirklich um jeden noch so kleinen Produktionsschritt selbst kümmern?
Mehr oder weniger. Ich habe per se nichts gegen Verlage und bleibe auch in Zukunft dafür offen. Es gab diesbezüglich auch für „Schmerzflimmern“ Optionen. Allerdings wollte ich speziell beim Debüt niemanden enttäuschen, falls das Buch komplett gefloppt wäre. Darüber hinaus ist mir kreative Kontrolle recht wichtig, weshalb ich das „selbst kümmern“ eher als Vorteil sehe.

Was den vertrieblichen Teil angeht, gibt es jedoch einige Partner, die Autoren wie mir viele Sorgen abnehmen. Ich bin etwa mit Books on Demand sehr zufrieden. Die drucken alles und stellen die ISBN bereit. Darüber hinaus sorgt BoD auch dafür, dass man meine Bücher weltweit bestellen kann. Egal ob bei Amazon oder direkt in der Buchhandlung. Qualitativ sind die BoD-Erzeugnisse von Bestsellern renommierter Verlage nicht zu unterscheiden. Stressiger wird es eher beim Marketing. Da müssen allerdings auch viele Verlagsautoren, sofern sie nicht Fitzek oder King heißen, selbst die Schüppe in die Hand nehmen.

Mit welchen Vorstellungen von Erfolg hast du dich an deinen Erstling gemacht und inwiefern konnten sie erfüllt werden?
In erster Linie wollte ich mir beweisen, dass ich dieses Projekt von Anfang bis Ende durchziehen kann. Jeder hat eine coole Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt. Sich aber auch wirklich hinzusetzen und es zu beenden, ist das Schwierige. Den fertigen Roman in den Händen zu halten, fühlte sich wie ein Erfolg an. Dass der Roman dann bei Lesern so gut ankam, hat mich lediglich zusätzlich motiviert, weitere Bücher zu schreiben. All dies entspricht aber eher der metaphorischen Kirsche obendrauf. Sich vorher zu viele Gedanken darüber zu machen, wie viel Geld man damit wohl verdient, wirkt auf mich eher kontraproduktiv. Wenn man zu sehr über solche Faktoren nachdenkt, sabotiert man sich nur selbst.

Nun veröffentlichst du ein direktes Sequel zum Erstling. Inwiefern wurde der Schaffensprozess dadurch beeinflusst; fielen dir bestimmte Aspekte leichter oder schwerer als vorher?
Eine Fortsetzung erlaubt es dem Autor, auf bereits etablierte Charakterzeichnungen aufzubauen. Es muss nicht erneut so viel erschaffen werden, wodurch man sich noch mehr auf den Plot fokussieren kann. Es war schön, die rein logischen nächsten Schritte mit den bekannten Figuren gehen zu können. Schwerer hingegen ist meine selbstauferlegte Vorgabe, unter keinen Umständen dieselbe Geschichte zweimal zu schreiben. „Schmerzflimmern Vol. 2“ wird also trotz wiederkehrender Charaktere einen ziemlich anderen Rhythmus haben. Darüber hinaus möchte man auch die Fallhöhe der Geschichte anheben, sodass es für die Leser spannend bleibt. Dabei das passende Maß zu finden, ist nicht immer leicht.

Was steht danach an?
Tatsächlich wurde ich in letzter Zeit schon mehrfach für Lesungen angefragt. Die werden nach der Veröffentlichung von „Schmerzflimmern Vol. 2“ definitiv stattfinden. Wann genau, wird man auf meiner Website herausfinden. Ein nächstes Buch ist hingegen vorerst nicht geplant. Man muss dem aktuellen Werk ein wenig Zeit geben, sein Publikum zu finden. Ideen für komplett neues Material hab ich ebenfalls noch genug. Da würde ich es gern wie Neil Gaiman handhaben. Der hat ja zwischen Fantasy und Horror, auch hin und wieder ein Kinderbuch eingestreut.

Welche erlernte Lektion würdest du kreativen Schreibern auf den Weg geben?
Ich sehe mich nicht als Autorität in solchen Sachen, aber ein Tipp, über den ich selbst immer wieder mal gestolpert bin, war: Erlaube dir selbst, schlecht zu schreiben. Das Wichtigste am Schreibprozess ist, Wörter zu Papier zu bringen. Ganz egal, wie mondän oder albern sie auch sind, erst beim Schreiben selbst wird man zu einem besseren Autor. Auch viele Ideen kommen erst, während man schreibt. Und was soll schon passieren? Löschen kann man es hinterher immer noch. Wer aber gar nicht erst anfängt, wird erst recht nie fertig.

 


Schmerzflimmern Vol. 2
erscheint im Winter 2017
https://marc-kemper.blogspot.de

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