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Gorilla Verlag: Mit dem Tod an der Theke
Verlagsinhaberin und Autorin Laura Bruning

Gorilla Verlag: Mit dem Tod an der Theke

Kutte und seine beiden besten Freunde Philipp und Dimitri gönnen sich mal wieder einen gemeinsamen Kneipenabend. Aufgrund von Umständen wird statt des Stammlokals jedoch das Sputnik 2 angesteuert, was der Stimmung dank guter Getränke und einer aufreizenden Bardame zunächst keinen Abbruch tut – ein paar bissige Reflektionen unter Herren um die 30 vielleicht mal ausgenommen.  

Eine beunruhigende Wendung nimmt die Nacht, als sich ein adretter Gentleman an ihren Tisch setzt und den drei Freunden eröffnet, dass sie beim dritten Schritt aus der Tür der Bar heraus sterben werden. Der eloquent und verwunderlich wohlinformiert auftretende Mann scheint davon zwar durchaus amüsiert, wirkt gleichzeitig allerdings nicht, als würde er scherzen…

Nachdem der Bielefelder Gorilla Verlag zuletzt die Kurzgeschichtensammlung „AbwegIch“ und Johanna Wohlgemuths Debütroman „Frau Schnieder kehrt heim“ veröffentlicht hat, ist Inhaberin Laura Bruning nun selbst an der Reihe. Wir haben die 28-jährige Selbstständige zu ihrem empfehlenswerten Werk und kommenden Plänen befragt!

Illustration aus dem „Sputnik 2“

Kannst du spoilerfrei verraten, wer „Der König des Sterbens“ ist?
Im Buch ist der sogenannte „König“ eine zentrale Figur, die allen anderen überlegen zu sein scheint und das vermeintlich baldige Ableben der drei Hauptfiguren überaus lustig findet. Verschiedene Interpretationsmöglichkeiten für den rätselhaften Gentleman werden im Laufe der Geschichte geliefert…

Was hat dich zum Roman inspiriert und wie viel Zeit hat dich die Fertigstellung gekostet?
Den Grundriss habe ich Anfang 2015 innerhalb von drei Monaten fertiggestellt und in den letzten zwei Jahren Ruhe- und Revisionsphasen abgewechselt. Als Inspiration würde ich alles Künstlerische definieren, das mich zu dieser Zeit beschäftigt hat: Arthouse Filme, Heinrich von Kleist, meine späte Entdeckung der Band Bilderbuch…  auch bestimmte Musikalben wie „Absolution“ von Muse oder „The Slip“ von den Nine Inch Nails sind für mich persönlich zu einer Art Soundtrack des Buches geworden. Die beste Inspiration für Kunst ist Kunst, oder?

Welche Höhen und Tiefen sind im Rahmen so eines Schaffensprozesses üblich?
Schreiben ist ein einsames Geschäft. Das ist ziemlich angenehm! Andererseits werde ich zur Expertin für ein Themenfeld beziehungsweise eine Welt, die zunächst nur in meinem Kopf und auf meinem Laptop besteht. Diese Einfälle werden im Schreibprozess erst nach und nach vermittelbar – gerade zu Beginn kann es also schwerfallen, sich selbst ernst zu nehmen und gute Einfälle nicht direkt als Schnapsideen abzutun.

Erste Charakterskizze von Peter „Kutte“ Kutowski

Den ominösen König eingerechnet sind alle vier Hauptfiguren Männer; drei davon gute Freunde, die einen vertrauten Umgang pflegen und teils intime Themen aufgreifen. Worauf hast du geachtet, um diese Runde authentisch wirken zu lassen?
Die Gefahr, bei der Zeichnung von Figuren in sexistische Klischees zu verfallen, ist unabhängig vom Geschlecht des Autors und des Charakters immer gegeben, denke ich. Genau wie bei weiblichen Figuren erzeuge ich Glaubwürdigkeit durch empathisches Einfühlen in die Individuen, ihre aktuelle Situation und ihre Steckenpferde. Die Distanz zu meiner Person und meinen eigenen Erfahrungen und Ansichten mache ich mir beim Schreiben ganz bewusst. Je ferner und unsympathischer mir eine Figur ist, desto mehr Spaß macht es, ihren Standpunkt für eine Weile einzunehmen.

Ab wann wird man das Werk in Bielefelder Buchhandlungen finden können?
Puh, unseren Außendienst haben wir ehrlich gesagt gerade erst gänzlich eingestellt.  Unsere Bücher können deutschlandweit in allen Buchhandlungen bestellt werden, liegen aber nur vereinzelt aus. Das liegt zum einen an der ausgesprochen ablehnenden Haltung der Buchhändler kleinen Verlagen gegenüber, zum anderen an unserem nicht für Durchschnitts-Leser zurechtgeschnittenen Programm.

Oh. Wie erklärst du dir diese Ablehnung?
Genre-Literatur und Stöberware passen wahrscheinlich einfach nicht zusammen. Omi von nebenan würde ich unsere Bücher bis auf eine Ausnahme auch nicht vorschlagen wollen – das merkt man an den deutlich positiveren Verbindungen zu Buchhändlern in Großstädten wie Hamburg und Berlin.

Buchhändler passen sich ihrer Kundschaft an und sind daher wohl per Definition eher auf „Mainstream“-Ware ausgerichtet.

Wie einem aktuellen Beitrag der WDR-Lokalzeit zu entnehmen war, scheint „Der König des Sterbens“ in absehbarer Zukunft ja dennoch eine auffällige Bühne zu bekommen. Wie darf man sich die sogenannte Kurzfilm-Lesung vorstellen?
Unser erster Schritt in Richtung Multimedia – das wird super! Die Bielefelder Künstlerin Tamara Reimer arbeitet aktuell an den letzten Animationen für dieses Projekt. Statt einfach einem Autoren beim Lesen zuzusehen, sollen die Hörer bei den kommenden Lesungen im Herbst auch visuell ins Sputnik 2 hineingezogen werden. Bewegte Bilder begleiten die erzählte Geschichte und geben den Figuren so lebendige Gesichter.

Mal etwas weiter in die Zukunft gedacht: Wie könnte ein zweiter oder dritter Schritt in Richtung Multimedia für den Verlag aussehen?
Ich begeistere mich seit Jahren für Narration in Videospielen. Episodische Adventures wie „Life is Strange“ oder die Titel von Telltale zeigen, dass das Medium ganz neue Erzählformen erlaubt. Können eigene Entscheidungen eine Geschichte direkt beeinflussen, sind völlig andere Strukturen als bei der Schriftform möglich (und nötig), um bestimmte Effekte zu erzielen. Die Grenzen dieses Mediums würde ich gern austesten, um Geschichten auf ganz unterschiedlichen Ebenen vermitteln zu können!

Der Roman
225 Seiten, ab 01. September, 13 Euro
Infos und Leseprobe unter
www.gorillaverlag.com

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