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Gamescom: Ein subjektiver Bericht

Je weniger Worte über den Wecker verloren werden, der mich Ende August um 4:55 Uhr aus meinen egozentrischen Träumen reißt, desto besser. Viel wichtiger ist schließlich auch, dass ich keine vier Stunden später am Gleis des Bahnhofs Köln Messe/Deutz stehe, um mir von dort den angenehm kurzen Weg zur neunten gamescom zu bahnen!

…fast da!

 

Nicht immer war dieser Weg mit einer sorgsamen Taschendurchsuchung verbunden, wie sie vor dem Süd-Eingang in einem eigens dafür aufgestellten Zelt vollzogen wird. Ein bedauerliches Zeichen der Zeit, wenn man so möchte – andererseits ist Vorsicht bekanntlich besser als Nachsicht und die Kontrollen schnell gemacht, so dass ich das bewährte Gelände der koelnmesse fast punktgenau zur Eröffnung um 9 Uhr erreiche.

Die offizielle Prozedur dazu durch Kanzlerin Merkel halte ich für entbehrlich (…wie ich später erfahre, hat sich die Anführerin der freien Welt insbesondere dem neuen Landwirtschafts-Simulator gewidmet) und begebe mich stattdessen in die Nähe der Hallen 5 bis 10, in denen sich über 900 Aussteller mit ihren aktuellen und kommenden Produkten präsentieren. Viele Zockerfreunde werden eben dadurch zur jährlichen Pilgerreise motiviert, da sie baldige Blockbuster und Geheimtipps teils Monate vor ihrer Veröffentlichung antesten können.

Déjà-vu / Jamais-vu

So wundert es nicht, dass einige der populärsten Franchises schon am frühen Morgen großen Andrang verzeichnen: Wer das neue Call of Duty auf der Messe spielen will, ist ohne zen-gleiche Geduld und eine gewisse Standkraft traditionell gelackmeiert, doch auch Far Cry 5, Assassin’s Creed: Origins, Destiny 2 oder Middle-Earth: Shadow of War ziehen die Fans ihrer Vorgänger in Scharen an. Die meisten von ihren stören sich nicht daran, dass die gezeigten Sequenzen zum Großteil von der E3 im Mai bekannt sind und vertiefen sich vergnügt ins Geschehen.

Morgendlicher Andrang bei Far Cry 5

Nichts Neues im Westen also? Keineswegs. Taufrisches Material trägt zum Beispiel die Premiere des farbenfrohen Open World-Adventures Biomutant bei, hinter dem einstige Just Cause-Entwickler stecken. God Trigger hingegen sieht aus, als wären Hotline Miami und Borderlands gemeinsam mit einem Co-Op-Modus in den Mixer geraten, während sich mit Anno 1800, Age of Empires 4 und Shenmue III (Schöpfer Yu Suzuki hat den ersten In-Engine-Trailer enthüllt) gleich mehrere legendäre Serien zurückmelden.

Die großen Drei

Software steht nicht allein im Rampenlicht: Microsoft setzt im kommenden Herbst auf die Xbox One X und lässt die anwesenden Zockerfreunde zu jeder Gelegenheit wissen, dass es sich dabei um die „leistungsstärkste Konsole aller Zeiten“ handeln soll. Mit Forza 7, Sea of Thieves oder dem verschobenen Crackdown 3 stehen entgegen böser Zungen durchaus nette Exclusives in den Startlöchern, am meisten Aufmerksamkeit genießt jedoch die erstmals anspielbare Konsolenfassung des PC-Hits Playerunknown’s Battlegrounds.

Eine von vielen noblen Karosserien, die zur Bewerbung eines Racing Games vor Ort war

Die japanische Konkurrenz ist wie immer in Form von Nintendo und Sony zur Stelle. Letztere rücken neben dem neuen David Cage-Titel Detroit: Become Human das jüngst erschienene Uncharted: The Lost Legacy oder Gran Turismo Sport in den Fokus. Schön zu sehen ist außerdem, dass das hauseigene Virtual Reality-Konzept noch nicht fallengelassen wird – zwischen mehreren anderen Titeln fällt besonders die VR-Variante von Skyrim ins Auge.

Noch schöner ist, dass der Nintendo-Stand nach einigen mauen Jahren belagert wird, als hätten wir 1993; selbstverständlich interessieren sich die meisten Besucher hier für das bezaubernd innovative Super Mario Odyssey.

Bei Nintendo

Neuer Minimalismus?

Etwas gefehlt haben mir die „Wow“-Momente, was die Stände der Aussteller betrifft. Die Vault, in der Fallout 3 (damals noch in Leipzig) vorgestellt wurde, der Titanfall-Mech in Originalgröße oder das klassische Kino, in dem Mafia III letztes Jahr zu sehen war, haben mächtig Eindruck hinterlassen und müssen dieses Jahr keine Konkurrenz fürchten.

X-Wing…

Lediglich Electronic Arts fährt richtig dick auf – wortwörtlich, wenn man so möchte: Need for Speed Payback haben Autofreaks vor Ort mehrere BMW M5 zu verdanken, den absoluten Vogel schießt der Unterhaltungsgigant jedoch mit den 1:1-Modellen eines X-Wing und eines TIE-Fighters ab, die mit passenden Statisten und stilechten Kulissen erfolgreich Lust auf Star Wars: Battlefront II schüren.

…vs. TIE-Fighter

Eine lobenswerte Erwähnung verdient sich nebenan bei Ubisoft auch eine Vitrine, die die detailverliebten Kostüme aller bisherigen Assassin’s Creed-Hauptcharaktere zur Schau stellt. So geht beeindruckende Präsentation!

Ein obligatorischer Besucher in der Fanshop-Area folgt, ehe ich den Heimweg nach Bielefeld antrete. Nerds und Otakus dürfen sich hier mit Shirts, Figuren, Spielzeug und überhaupt so ziemlich jeder Art von Merchandise eindecken und stoßen auf eine Angebotsfülle, die’s so sonst nur im Netz gibt.

Bis 2019 läuft der Vertrag des veranstaltenden BIU mit der koelnmesse – zweimal geht’s also mit Sicherheit noch in die zum Zockertraum umfunktionierte Rheinstadt. Abschließend geht’s hier zum Ordner mit den gesammelten Bildeindrücken dieses Jahres!

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