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Entdecke die Möglichkeiten: NerdStar

Das Hobby zum Beruf machen – eine traumhafte Vorstellung, die in der Lebensrealität vieler Menschen leider für immer eine ebensolche bleibt. Auch Marcel Menk hat zunächst bloß „einen praktischen Ausgleich zum Studium“ gesucht und wollte sich hobbymäßig im medialen Sektor ausprobieren. Langfristig kam einiges anders als gedacht: Sechs Jahre später ist er neben Dirk Ludewig Geschäftsführer eines Unternehmens, in dem die beiden ihre Leidenschaft für Herzensthemen mit Gleichgesinnten teilen!

Nachdem sich Marcel beim Bielefelder Kanal 21 mit den Grundsätzen der Videoproduktion vertraut macht, entschließt er sich im November 2011 mit Hilfe einiger befreundeter Unterstützer dazu, NerdStar aus der Taufe zu heben. Er erinnert sich: „Ich wollte ein Videomagazin produzieren und dachte inhaltlich zunächst an Musik. Weil ich Videospiele allerdings ein bisschen aus den Augen verloren hatte, habe ich das als Gelegenheit gesehen, mich wieder in diese Richtung zu prügeln.

Am Ende ist es trotzdem eine Band, die den heutigen Kern des Teams komplettiert. Als Dirk nämlich mit seinen Kollegen von No Decision (und absoluter Pop-Punk-Vorzeigefrisur) beim Fernsehkonzert des Kanal 21 spielt, ist Marcel für das dazugehörige  Interview zuständig. Eine eher lose Bekanntschaft kommt zustande, durch die Dirk davon erfährt, dass NerdStar auf der Suche nach fähigen Redakteuren ist.

Ich spiele gerne mit Sprache und finde es spannend, verschiedene Formen des Ausdrucks zu suchen. Außerdem habe ich schon immer Spaß daran gehabt, mich in Themen reinzufuchsen – und genau das ist im Grunde auch die Sache, die ich am Nerdtum so sympathisch finde: Es gibt in allen möglichen Bereichen Leute, die so begeisterungsfähig für etwas sind, dass sie die Dinge drumherum manchmal komplett vergessen und langfristig zu Experten werden“, umschreibt der heute 28-jährige den Reiz der freien Stelle, die er im November 2013 antritt und das Team seitdem tatkräftig verstärkt.

Dirk links, Marcel rechts

Flucht nach vorne

Mit Zielen, die über kurzweilige Selbsterfüllung hinausgehen, spielt man schon damals. Allerdings „eher spaßeshalber“, wie Marcel meint und sofort relativiert: „Wir hatten jedoch stets einen möglichst professionellen Ansatz und wollten Sachen machen, die wir selber gucken würden. Es gab immer feste Sendezeiten, NerdStar lief nie nur nach Tageslaune. Dass man an den Punkt kommt, an dem man ein Unternehmen gründen und Leute einstellen kann, hätte ich mir damals aber nicht träumen lassen. Das ist…das großartigste überhaupt“, resümiert er in einem Tonfall, der irgendwo zwischen Verblüffung und tiefster Zufriedenheit liegt.

Der von ihm angesprochene „Punkt“ ist dabei nichts Geringeres als der Schritt in die Selbstständigkeit, den Marcel und Dirk schließlich im Januar wagen. Von einer leichtfertigen Entscheidung kann keinesfalls die Rede sein, was in Anbetracht ihrer persönlichen Umstände ziemlich nachvollziehbar wirkt.

Man kann schon sagen, dass wir beide unseren kompletten Lebensplan umgeschmissen haben, um das hauptberuflich zu machen. Ich habe studiert und stand kurz vor’m Master;  Marcel hatte ’ne unbefristete Festanstellung mit Aussicht auf Gehaltserhöhung. Sowas gibst du gerade in der Medienbranche normalerweise nicht einfach so her“, gewährt Dirk offenherzig Einblick. „Wir haben vorher also richtig lange überlegt.“

Gleichzeitig betont Marcel eine gewisse Notwendigkeit, die er im Nachhinein sogar als „Flucht nach vorne“ wahrnimmt. „Wir haben alle zwei bis vier Wochen gesendet, was im Internet quasi Jahre sind. Du musst da jeden Tag abrufbar sein, was neben einer 40-Stunden-Arbeitswoche effektiv nur schwer möglich ist. Wir sind mit dem Projekt also auf der Stelle getreten sind und konnten mit unserem damaligen Pensum nicht wachsen, was ziemlich frustrierend war.“

Aus großer Kraft…

Ein starker Kontrast zum Status Quo, der der eingangs erwähnten „Hobby zum Beruf“-Utopie auf den ersten Blick verdächtig nahe zu kommen scheint. „Es ist ein Luxus, sich jeden Tag mit den Themen, die man liebt, beschäftigen zu dürfen“, zeigt sich Marcel entsprechend dankbar. „Morgens zur Arbeit zu fahren und da zu gucken, was es so neues zu Star Wars gibt und ob ich etwas daraus machen kann“ gehört für ihn deshalb genauso zu den Vorzügen des aufgemotzten NerdStar wie die Möglichkeit, mit der nötigen Zeit „an Ideen für Formate, die im Netz noch fehlen“ zu arbeiten.

Jener Weg zur Arbeit führt alle Involvierten mittlerweile in Bielefelds Stadtteil Jöllenbeck, wo im Zuge der Selbstständigkeit eine ehemalige Lackfabrik bezogen und den eigenen Bedürfnissen angepasst worden ist. Das neue Studio erstreckt sich über drei wesentliche Bereiche zum Drehen, ein offenes Büro und ein Regiezimmer, in dem das eingefangene Bildmaterial in die gewünschte Form gebracht wird.

Gemein ist nahezu allen Ecken, dass sie auf irgendeine Weise mit passenden Items („größtenteils aus dem Privatbestand“) geschmückt worden sind. Ein überdimensionaler „Awesome Mix Vol. 2“ lehnt am Tischbein, während eine der ikonischen Mario-Münzboxen nur einen kleinen Schwenk weiter ins Auge fällt und der Krieg der Sterne besonders gewürdigt wird: Darth Vader wirkt selbst aus Pappe bedrohlich, Han Solo und Chewbacca überwachen den Schnitt und ein Stormtrooper mit Krone macht es sich direkt neben Links legendärem Master Sword gemütlich.

…folgt große Verantwortung

So schön all die neuen Optionen, Räume und Perspektiven auch sein mögen – ohne den einen oder anderen Kampf mit den Mühlen der Bürokratie wären sie undenkbar gewesen. „Viel Papierkram, der gar keinen Spaß macht“ und andere Aspekte, von denen man sich vorher „bewusst ferngehalten hat“, gehören nun genau wie die Beschaffung von Gewerbemülltonnen und rechtliche Absicherungen zu den Pflichten der Geschäftsführung.

Druck gibt’s obendrauf, wie Marcel erläutert: „Wenn wir das hier gegen die Wand fahren war’s bisher so, dass wir beide dann halt Pech gehabt hätten. Nun haben wir aber junge Leute im Team, die festbeschäftigt sind und denen wir den Medienberuf näherbringen möchten. Da trägt man zusätzliche Verantwortung.“

Doch nicht nur an die eigenen Mitarbeiter will gedacht sein: Die Landesanstalt für Medien verlangt im Tausch gegen eine Rundfunklizenz „für die komplette Dauer der Zulassung einen Personalplan, einen Wirtschaftsplan und unseren Gesellschaftervertrag“, zählt Dirk auf. Darüber hinaus werden detaillierte Angaben zu den Finanzen, ein offizieller Programmverantwortlicher und ein Jugendschutzbeauftragter gefordert.

Gerade letztgenanntes Thema ist knifflig, da NerdStar dieselben Richtlinien wie „echte“ TV-Sender zu erfüllen hat. Heißt im Klartext, dass Spiele mit einer 16er-Freigabe nicht vor 22 Uhr gezeigt werden dürfen, während nur für Erwachsene freigegebene Inhalte sogar erst ab 23 Uhr legal über den Bildschirm flimmern – wohlgemerkt, „während Streamer morgens munter mit Counter Strike, GTA und co. loslegen“, wie Dirk beklagt und daran erinnert, dass ein überwiegender Großteil der jährlichen Blockbuster in genau diese Kategorie fällt.

Für uns ist das eine Katastrophe“, resümiert Marcel unumwunden und ist „überzeugt, dass wir ohne unsere Talk- und Alternativformate rund um Filme und Comics nicht wettbewerbsfähig wären.“

Das Tagesgeschäft

Apropos: Um den Laden am Laufen und alle Beteiligten über Wasser zu halten, werden nicht nur verschiedene Werbekooperationen eingetütet, sondern darüber hinaus fachspezifische Dienstleistungen für Dritte offeriert. „Unsere Kernkompetenz sind Livestreams und es hat nicht jeder einen mobilen Bildmischer und aktuelle Technik. Wir können kostengünstig in TV-Qualität senden und haben den Vorteil, mit dem Internet vertraut zu sein – wir kennen die Plattform, sind authentisch und wissen, wo welcher Codec gebraucht wird oder wo welches Programm rumzickt“, betont Marcel. Dirk stimmt ein: „Wir haben das Equipment, das Personal und das Know How, um Projekte komplett umzusetzen und leisten das zu Preisen, die andere so nicht anbieten können.

Auf völlig eigenes Geheiß werden heutzutage allerlei Sendungen produziert, die die moderne Nerdkultur umfassen. In Form von „POW!“ zum Beispiel behandeln sie Filme und Comics, während sich „Play“ dem Namen entsprechend um Videospiele dreht, „Spawned“ das Frühstücksmagazin darstellt, der „Toilettentalk“ eine Programmvorschau mit skurrilem Anstrich zur Hand gibt oder „Unplugged“ Brettspiele berücksichtigt.

Eine beispielhafte Auswahl, anhand welcher Marcel schmunzelnd gesteht, dass die thematische Breite von NerdStar „Fluch und Segen zugleich“ sein kann…

Erweitert wird sie in naher Zukunft trotzdem, denn in einem Anflug von „Nerdstalgie“ sollen schon bald liebgewonnene Spieleperlen vergangener Tage ins verdiente Spotlight gerückt werden. Für die weitere Zukunft wünschen sich beide NerdStars außerdem mehr Showformate, die Dirk zufolge zwar minutiöse Planung erfordern, bei gutem Gelingen jedoch sowohl vor als auch hinter der Kamera die größte Freude bereiten.

Und die kommt hier, Professionalisierung hin oder her, wahrlich nicht zu kurz!

NerdStar im Netz

Die Livestreams
– Montag, Mittwoch, Freitag ab 19 Uhr
– Donnerstag 10:30 Uhr

Die Links
www.nerdstar.de
www.nerdstar.tv
www.youtube.nerdstar.de

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