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Altes Mädchen, neues Umfeld

So wirklich alt ist das Alte Mädchen eigentlich noch gar nicht: Das Tattoostudio besticht erst seit Ende des letzten Jahres. Allein durch seine einladende Einrichtung in Bielefelds August-Bebel-Straße ist es auf jeden Fall einen Blick wert! Ebenso erweist sich Sarah Gößling als offen-sympathische Gesprächspartnerin, was wir für ein Interview mit der selbstständigen Betreiberin genutzt haben.

Vorab erst einmal: Wie erklärt sich der Name deines Studios?
Es ging so ein bisschen um die Verbindung dazu, dass ich erst relativ spät angefangen habe zu tätowieren. Da war ich schon über 30; die meisten beginnen so mit 20. Außerdem klingt es einfach ein wenig nostalgisch, irgendwie nach Hafenkneipe; und mir gefällt dieses Flair, welches ich ja auch hier im Laden habe.

Wärst du gerne schon früher Tätowiererin gewesen?
Schon mit 16, meine Eltern hätten es damals aber nicht erlaubt.

Wie bist du letztendlich doch noch dazu gekommen?
Im Grunde bin ich dadurch, dass ich mich selbst immer viel tätowieren lassen habe, da rein gerutscht. Ich kannte viele Tätowierer und ihren Tagesablauf, wie die Arbeit aussieht, was den Beruf ausmacht. Dann habe ich mich – allerdings erst nach dem Abitur und einem Modedesign-Studium – dazu entschlossen, Tätowiererin zu werden. Ich habe vorher auch lange in einem anderen Beruf gearbeitet, bis ich gemerkt habe, dass es nicht das Richtige ist.

Ist es zwingend notwendig, etwas in die Richtung zu studieren?
Nein, ich kenne viele Tätowierer, die zuvor einen Bürojob oder ein Handwerk und nichts Kreatives gelernt haben. Es ist allerdings schon wichtig für den Beruf, dass man Lust am Zeichnen hat, weil man das täglich machen muss. Heutzutage hat sich das auch schon fast ein wenig verändert, so dass man vieles auch graphisch darstellen und am Rechner bearbeiten kann… aber grundsätzlich sollte man schon zeichnen können. Man muss auch mal Sachen auf der Haut aufmalen und kann eben nicht einfach alles ausdrucken. Außerdem sollte man ein Gefühl für Ästhetik und Form mitbringen.

Was schätzt du am Beruf?
Zum einen, dass es eine Mischung aus künstlerischem und handwerklichem Beruf ist, weil ich meine Designs selbst machen kann. Mir gefällt sowohl der künstlerische Teil und als auch das Tätowieren an sich, also dieser handwerkliche Aspekt. Und die Resonanz der Kunden, wenn beide Seiten zufrieden sind.

Gibt  es andererseits auch Aspekte, die dich daran nerven?
Nicht direkt an dem Beruf, eher an der Selbstständigkeit, weil man halt immer sehr viel zu tun hat. Es ist kein typischer „9 to 5“-Beruf, in dem man nach Feierabend nach Hause geht, garantierte Freizeit hat und keine Minute mehr in den Job investieren muss.

Wie kamst du überhaupt zur Selbstständigkeit?
Ich habe lange bei Blue Harvest hier in Bielefeld gearbeitet und habe das auch immer gerne getan. Es hatte natürlich den Vorteil, dass man sich eben nicht um alles kümmern musste. Irgendwann hat sich jedoch die Struktur im Laden geändert, das Team hat sich aufgelöst und damit ist einfach eine neue Zeit angebrochen, so dass ich mir überlegt habe, vielleicht doch noch einmal woanders zu arbeiten.

Allerdings hat sich nicht wirklich etwas gefunden, wo ich mich wohl gefühlt hätte und Dinge so hätte umsetzen können, wie ich wollte. Es war dann doch ein relativ spontaner Entschluss: Ich dachte mir, dass ich das, was ich vorher in dem anderen Studio gemacht habe, auch alleine schaffen könnte.

Gab es in Anbetracht der Herausforderungen Momente, in denen du den Job schon fast wieder an den Nagel hängen wolltest?
Gerade in den ersten Jahren kommt man öfter an den Punkt, an dem man glaubt: „Ich bin nicht mit meinen Linien zufrieden“ oder „Ich kriege die Farbe nicht so rein, wie ich mir das wünsche“. Oder ein Kunde ist einem mal schlecht reingefahren. Aber in letzter Zeit, gerade seitdem ich den Laden habe, denke ich mir, dass es eigentlich das geilste ist, was mir passieren kann!

Mehr im Netz:
www.facebook.com/altesmaedchentattoo
www.altesmaedchen-taetowierungen.de

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