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Angezapft – Lennart bei der Knochenmarkspende

Die Zahl der jährlich aufkommenden Leiden an einer bösartigen Blutkrankheit – wie zum Beispiel Leukämie eine ist – liegt deutschlandweit im knapp fünfstelligen Bereich. Medikamente sind oft nicht ausreichend, um dem Verlauf beizukommen, so dass viele Patienten auf die Transplantation von Knochenmark angewiesen sind. Dem Zentralen Knochenmarkspender-Register zufolge sind hierzulande über 7 Millionen potentielle Spender typisiert. Einer von ihnen ist unser hauseigener Lennart, der im April tatsächlich nach Köln berufen worden ist!

Lennart, was hat dich zur Typisierung und Knochenmarkspende motiviert?
Meine Motivation bestand ehrlich gesagt darin, eine Stunde Mathe frei zu bekommen. Am Freiherr-vom-Stein in Minden gab es eine Typisierungsaktion von der DKMS, an der ich 2009 deshalb ziemlich spontan teilgenommen habe.

Wie lief die ab?
Ich meine, das war in einem Truck, in dem es das klassische Stäbchen in den Mund gab. Anschließend wurden alle relevanten Daten aufgenommen und man hatte sich damit offiziell bereiterklärt, dass man in dieser Spenderdatenbank registriert wird.

Und danach ist acht Jahre lang nichts passiert?
Genau genommen bis zum 10. Januar, als ich unvermittelt ein Paket bekommen habe. Darin war ein Blutentnahme-Kit enthalten, mit dem ich so schnell wie möglich zum Hausarzt gehen sollte, den ich damals bei der Typisierung angegeben hatte – beziehungsweise wurde ein möglichst zeitnaher Termin für mich gemacht, ich sollte bloß erscheinen. Vor Ort wurden mir einige Röllchen Blut entnommen, die dann an die zuständigen DKMS-Abteilungen zur Auswertung gegangen sind. Parallel habe ich auch eine E-Mail bekommen, die mich darüber informiert hat, dass ich ein möglicher Kandidat für eine Stammzellenspende sei.

Was ging dir durch den Kopf, als das Paket kam?
Da ich die Typisierung weitgehend vergessen hatte, war ich im ersten Moment natürlich etwas überrascht. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich auch aufgeregt war, aber schon…gespannt, wie das wohl weitergeht.

Hast du in diesem Zuge „ernster“  über die Sache nachgedacht als beim Mathe schwänzen?
Ich hatte zu der Zeit ein Gespräch mit der Workup-Abteilung der DKMS, bei der mir im Grunde vermittelt wurde, dass ich den Ball ruhig noch flach halten könne. Zunächst mussten meine Blutproben ausgewertet werden und ich war zu diesem Zeitpunkt noch einer von vielen, der infrage kam. Ein bisschen intensiver wurde es Anfang März, als mir mitgeteilt wurde, dass ich in einer sehr engen Auswahl sei und zu einer Spenderuntersuchung kommen solle.

Inwiefern musstest du dich auf die eigentliche Spende vorbereiten, nachdem deine Tauglichkeit feststand?
Schon bei der Untersuchung hat man mir eine Art Spritzen-Vorbereitungs-Set mitgegeben. Hintergrund war, dass ich mithilfe eines entsprechenden Mittels überdurchschnittlich viele Stammzellen produzieren sollte. Für mich war das schon ein Problem, da ich durchaus Angst vor Spritzen habe und immer jemanden finden musste, der das für mich übernimmt. Ich habe probiert, mir die selbst zu setzen, habe das aber nicht vernünftig durchziehen können. An den fünf Tagen vor der Entnahme brauchte ich jeweils morgens und abends eine Spritze.

Ansonsten waren die verträglich?
Man sagte mir vorab, dass es zu grippeähnlichen Nebenwirkungen kommen könnte. Letztendlich taten mir die Glieder weh, ich hatte durchgehend Schädelbrummen, habe schlecht geschlafen, hatte keinen Hunger und war allgemein schlapp.

Zur Spende musstest du Mitte April nach Köln. Lief das auf eigene Kosten?
Nein, im Grunde wird wirklich alles übernommen. Entweder die Kilometer, die ich theoretisch mit dem Auto zurückgelegt hätte, oder die Reise per Bahn in irgendeinem Zug, der Richtung Köln fährt. Auch die Übernachtung in einem Hotel wurde mir gestellt; ich musste nur bei der Rezeption erscheinen und angeben, warum ich da bin. Man braucht eigentlich wirklich nur anwesend sein, um den Rest wird sich gekümmert.

Wie lief der Termin schließlich ab?
Die Klinik, in der das stattfindet, heißt Cellex. Ich musste um 7:30 Uhr am Empfang sein und war natürlich nicht der einzige; zusammen mit den anderen Spendern habe ich Instruktionen zum genauen Ablauf bekommen. Es gab noch einen kleinen Fragebogen, ehe man nacheinander aufgerufen worden ist, um in die Spenderäume zu gehen. Dort wurde ich an diese Zentrifugenmaschine angeschlossen und alles soweit schön für mich hergerichtet, da man ja eine ganze Weile liegt.

Wie lange?
Das hängt grundsätzlich wohl von der Menge der Stammzellen ab, die die erkrankte Person benötigt. In meinem Fall bedeutete das, dass ich fünf Stunden lang dran war. Es kann vorkommen, dass die vorbereitende Spritzenaktion nicht wie gewünscht anschlägt, so dass für jeden Spender erst einmal zwei Sitzungen anberaumt werden. Ein gewisses Entertainment-Programm besteht in Form einer ordentlichen Filmauswahl aber – meine Wahl fiel auf „The Wolf of Wall Street“, da er schön lang ist.

Hast du die Klink in einem ähnlich geschwächten Zustand verlassen wie Leo das Clubhaus?
Unangenehm war eigentlich nur, einen Arm über Stunden nicht bewegen zu können. Außerdem darf man während der Spende nicht schlafen, da das nicht von einer Bewusstlosigkeit zu unterscheiden wäre.

Mein gesamtes Blut wurde insgesamt dreimal durch die Maschine gejagt, sprich 18,1 Liter wurden prozessiert, um 530 Milliliter Stammzellen zu säubern. Danach wurde ich „abgeschlossen“ und mein Kreislauf langsam wieder stabilisiert. Es gab einen weiteren Fragebogen, etwas Essen, etwas Trinken, zwei kurze Tests und ich konnte wieder gehen. Körperlich habe ich mich eigentlich ziemlich gut gefühlt – etwas geschwächt, aber auf jeden Fall besser als nach den Spritzen. Nach zwei Stunden bekommt man noch eine Benachrichtigung, ob eine zweite Spende notwendig ist oder die erste reicht; in dem Fall darf man dann umgehend den Heimweg antreten.

Was weißt du eigentlich über die Person, der du mit deinen Stammzellen hilfst?
Man erfährt, wo die betreffende Person herkommt, wie alt sie ist und ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. In meinem Fall ist es ein 71-jähriger Schwede mit Blutkrebs; die DKMS agiert da längst auf internationaler Ebene. Als Spender wird man vorab gefragt, ob man eine mögliche Kontaktaufnahme zulassen möchte, der ich jetzt erst einmal zugestimmt habe. Es kommt dann aber auf die Gegenseite an: Wenn der Herr aus Schweden keinen Bedarf hat, sich bei mir zu bedanken, muss er das auch nicht. Man hat mir jedoch gesagt, dass sich die meisten Empfänger melden würden und freuen, noch ein paar Jahre mehr zu haben.

Alle weiteren Fragen zur Knochenmarkspende und Möglichkeiten zur Typisierung werden auf www.dkms.de thematisiert!

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