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Raum und Zeit stellt Schnüffler auf die Probe
Sebastian & Michael

Raum und Zeit stellt Schnüffler auf die Probe

Für Uneingeweihte wirkt die ganze Angelegenheit wahrscheinlich erst einmal ziemlich vage: Da wird man also in eine Art Motto-Raum eingesperrt und hat eine Stunde Zeit, um ihn nur durch das Lösen von Rätseln wieder zu verlassen? Wenig konkrete Vorstellungen bedingen anfängliche Berührungsschwierigkeiten, die Sebastian Keller ganz und gar nicht fremd sind: Viele Menschen sind zunächst skeptisch, wenn sie davon hören. Besonders Männer. Es ist einfach eine Sache, die man selber ausprobiert haben sollte!“

Neben Michael Wabiszczewicz ist Sebastian einer der beiden Betreiber von Raum und Zeit, einem seit November 2015 in der Bielefelder Stapenhorststraße angesiedelten Escape Game.

Mehr als ein halbes Jahr hat die Vorbereitungszeit in Anspruch genommen, ehe der Raum namens „Der Fall Schwartz“ die grauen Zellen der Bielefelder Spürnasen erstmals auf die Probe gestellt hat. Im April 2016 wiederum wurde das Angebot um „Der Sullivan Versuch“ erweitert, der seitdem in einem eigenen Bereich für Abwechslung sorgt.

Michael wirft ein, dass zu Beginn noch mit ganz kleinen Mitteln gearbeitet worden ist und der Empfangsbereich zum Beispiel anfangs zwar keine Baustelle mehr, aber längst nicht so einladend wie heutzutage gewesen sei: Die ersten neun Monate haben wir uns gar nichts ausgezahlt und alles wieder in den Laden gesteckt.

Eine Behauptung, die man bei einem Rundblick nicht anzweifelt, wirkt die Einrichtung mit ihrer Mischung aus gemütlicher Sitzecke, großem Regal, viel Holz und diversen Requisiten doch gleichermaßen stylish wie altmodisch.

Wir kannten zeitweise alle Möbelläden der Umgebung in- und auswendig. Damals lief schon wirklich sehr viel parallel, erinnert sich Michael mit Verweis auf die zeitgleich von ihm und Sebastian entworfenen Rätsel zurück. Seinem Kollegen zufolge war die Vielfachbelastung allerdings alternativlos: Wir legen viel Wert darauf, dass alles von uns kommt; dass wir eigene Ideen einbringen und uns nicht einfach die besten Elemente anderer Räume rauspicken.

Der Fall Schwartz

Mustergültig verinnerlicht werden die Ideale des aufgeweckten Gründerduos im bereits erwähnten Debütraum: Hier beauftragt der Bielefelder Enthüllungsjournalist Erik Bloomberg ein Team, das dem zwielichtigen Geschäftsmann Viktor Schwartz auf die Schliche kommen und zu diesem Zweck sein Büro durchsuchen soll. Schwartz ist Teil einer weltweit operierenden und denkbar kriminellen Organisation, die für ihren eigenen Vorteil offensichtlich über Leichen gehen würde…

Bevor Schwartz zurückkehrt, haben Bloombergs Ermittler (sprich die zwei bis sieben Personen starke Teilnehmergruppe) eine Stunde, um belastendes Beweismaterial ausfindig zu machen. Dazu müssen zielführende Indizien gedanklich von falschen Fährten getrennt und anschließend wieder sinnig miteinander kombiniert werden, um Schlösser, Safes oder Passwörter zu knacken.

Im Büro von Viktor Schwartz

Wir wollen künftige Schnüffler keinesfalls spoilern und belassen es deshalb dabei – verraten sei jedoch, dass die Rätsel den schmalen Grat zwischen knackigem  Anspruch und fairer Lösbarkeit unserem Empfinden nach punktgenau treffen.

Zauberwort Immersion

Neben dem detailverliebt inszenierten Büroraum hilft das Beiwerk des Fall Schwartz ungemein, um Spielern mehr als nur eine Ansammlung von Knobelaufgaben vorzusetzen: Das einleitende Briefing-Video von Auftraggeber Bloomberg sieht professioneller als nahezu jedes deutsche TV-Format am späten Nachmittag aus und gewinnt durch den Umstand, dass sowohl der Ermittler als auch der titelgebende Ganove von den Vätern der Betreiber verkörpert werden, etliche Sympathiepunkte.

Vor allem aber trägt es zu etwas bei, dass in der Medienwelt häufig als Immersion bezeichnet wird – die Fähigkeit irgendeiner zumeist interaktiven Darbietung, ihre Konsumenten glaubhaft ins Geschehen eintauchen zu lassen. Der Fall Schwartz bietet zwar vereinzelte Schmunzler, nimmt sich selbst aber angemessen ernst und fordert die Neugier sowohl durch die kniffligen Rätsel als auch die hintergründigen Mysterien immer wieder neu heraus.

Der Schauplatz der sagenumwobenen Sullivan-Versuche

Insofern drängt es sich regelrecht auf, den Krimi in Serie gehen zu lassen: Der zweite Teil kommt Mitte des Jahres, schürt Sebastian die Vorfreude. Der wird den ersten ersetzen. Die übergreifende Story geht dort zwar weiter, grundsätzlich ist jeder Raum aber so strukturiert, dass er eine eigene, in sich schlüssige Geschichte hat und somit auch für komplette Neulinge geeignet sein wird.

Dabei machen sich die Köpfe hinter Raum und Zeit einen beliebten Filmkniff zunutze, denn während Der Fall Schwartz in den Neunzigern – VHS, analoges Diktiergerät und Röhrenmonitor inklusive – angesiedelt ist, soll Part II als Prequel in die Siebziger entführen und der verblüffenden Offenbarung des Erstlings auf den Grund gehen, über die Spieler am Ende einer erfolgreich absolvierten Runde stolpern.

Ein Fall, den wir definitiv noch nicht zu den Akten legen werden!

Raum & Zeit
Stapenhorststraße 60
33615 Bielefeld
0521 – 32910209
www.raumundzeit-owl.de

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