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Die gute Seele von Kasse 1

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft – eine Weisheit, die mittlerweile eigentlich ein Fall fürs Phrasenschwein ist. An ihrem Wahrheitsgehalt ändert das dennoch wenig: Dem Küsschen aufs Wappen beim Torjubel folgt die Annahme eines lukrativen Konkurrenz-Angebots deutlich häufiger als bedingungslose Vereinstreue. Zumindest hinter den Kulissen ist langfristige Loyalität noch etwas leichter zu finden, wie die Geschichte von Salome Krause beweist!  

Den Bundesliga-Kader von Arminia Bielefeld zieren illustre Namen wie Stefan Kuntz, Silvio Meißner, Billy Reina oder Thomas von Heesen, als Salome im Jahre 1997 zum Verein stößt.

Das war noch zu Rüdiger Lamms Zeiten, als ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle ganz einfach beworben habe. Zwei Tage nach dem Vorstellungsgespräch konnte ich dann auch schon anfangen erinnert sich die augenblicklich charmante Frau, die der Einfachheit halber meist nur Salo genannt wird und jedem Anhänger, der sich direkt im Stadion mit Karten oder Merchandise eindeckt, schon einmal begegnet sein dürfte.

Besagte Stelle drehte sich nämlich um den offiziellen Fanshop, der damals noch in der Stapenhorststraße ansässig war. Nachdem Salo mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau in der Tasche zunächst ein halbes Jahr lang ohne Beschäftigung dastand, wagte sie mit dem neuen Job den Sprung ins kalte Wasser: Der Umgang mit Menschen bereitet ihr grundsätzlich zwar viel Freude, besonders fußballaffin ist sie im Gegensatz zu Bruder oder Vater jedoch nicht gewesen.

Das war Neuland, schmunzelt sie und weist darauf hin, dass der Betrieb auch aufgrund des damaligen Stands der Technik ganz schön stressig werden konnte – die Karten beispielsweise mussten einzeln vor Ort gedruckt und anschließend per Hand abgerissen werden. Ich wurde von netten Kollegen angelernt und habe schnell Spaß an der Sache gefunden, erzählt sie mit Verweis darauf, dass sie auch in die Materie selbst überraschend zügig eingetaucht sei.

Als gewöhnungsbedürftig empfand sie besonders zu Beginn allerdings Kunden, die ein ausverkauftes Kartenkontingent schlicht nicht akzeptieren, sie für fremde Preisentscheidungen zur Rechenschaft ziehen wollen, die Rückgaberegelung überlesen haben oder sturzbetrunken auflaufen.

Am Anfang war das schon krass, zumal du beim Fußball ein bestimmtes Publikum hast. Auf den Stehplätzen gibt’s zum Beispiel einige Leute, die unbedingt im Recht sein wollen und sich nichts gefallen lassen. Mittlerweile ist man da aber abgehärtet, ich kenn’s ja, hält Salo trocken fest und führt auf der erfreulicheren Gegenseite an, dass dazwischen immer wieder sehr nette Leutevorstellig werden, so dassaus dem Kundenbereich teilweise sogar Freundschaften entstanden sind.

Bei Aufstieg ausverkauft

Leute fragen mich, ob wir den Shop wirklich jeden Tag geöffnet hätten, wundert sie sich über entsprechende Nachfragen. Wir haben hier ganz normale Arbeitszeiten von morgens bis abends und es kommen täglich Leute bestätigt sie in einem Tonfall, in dem leichtes Amüsement unverkennbar mitschwingt. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Kunden im Shop und der sportlichen Leistung des DSC erkennt sie außerdem: Wenn die Kollegen auf dem Spielfeld gewonnen oder ein gutes Unentschieden erreicht haben, siehst du das sofort. Dann ist das hier der Renner und Tickets für das nächste Heim- oder Auswärtsspiel, ganz egal, müssen her. Und wenn es um den Aufstieg geht, kaufen’se mir hier den Laden leer!

An einem ganz normalen Arbeitstag hingegen nimmt Salo an ihrer angestammten Kasse 1 Platz, nachdem sie den heutzutage in der Osttribüne der SchücoArena befindlichen Laden beleuchtet und pünktlich um 10 Uhr morgens aufgeschlossen hat. Häufig warten zu diesem Zeitpunkt bereits Fans vor der Tür, die sich mit Produkten aus dem wirklich umfangreichen Sortiment – neben Kleidungsstücken aller Art gibt es unter anderem verschiedene Plüsch-Lohmänner, stilechte Sitzbänke, Sticker, Anhänger, Tassen, Unterlagen, Bücher, Tücher und sogar eine Arminia-Rasenmischung – oder eben mit Eintrittskarten für eine kommende Partie eindecken möchten.

Jener Ticketkauf kann wie angedeutet im Ausnahmezustand münden, wenn der Gegner groß oder die Ausgangssituation besonders spannend ist: Bei den Bayern oder zuletzt etwa beim Pokal hast du hier natürlich eine ordentliche Schlange stehen, obwohl wir den Vorverkauf erst einmal nur für Mitglieder und Dauerkartenbesitzer öffnen. Es kommt dann darauf an, ob wir maximal zwei Karten pro Person rausgeben oder es wie zuletzt unbegrenzt lassen. Dann kaufen Leute fünf, sechs oder auch zehn auf einen Schlag, was für uns schneller geht.

Am Spieltag ist der Fanshop schließlich zwischen Einlass und Anpfiff für Arminen und solche, die es noch werden wollen, zur Stelle. Danach wird aufgeräumt, zugemacht und wir gehen essen oder direkt zu den anderen Mitarbeitern in den Sechzehner auf der Westtribüne. Oft setze ich mich auch zu Freunden und Bekannten, die eine Loge haben und quatsche dort ein bisschen mit ihnen, während wir das Spiel gucken, erzählt Salo, die nach Abpfiff noch einmal eine knappe Stunde im Shop verbringt und womöglich vom Spielgeschehen beflügelte Einkäufe ermöglicht.

Leidenschaft im Wandel der Zeit

Nach 20 Jahren hast du Leidenschaft entwickelt. Du kannst hier nicht arbeiten, obwohl dich das nicht berührt. Ich fiebere und fluche jedes Mal mit und mein Herz schlägt schneller. Außerdem ist mein Sohn bei den Arminis und dadurch genauso eingefleischt strahlt Salo, die – insofern kaum überraschend – keinen Gedanken an eine berufliche Umorientierung verschwendet. Zumal man sich ihr zufolge ohnehin nie so richtig vom Verein trennen kann: Ich merke das ja bei ehemaligen Kollegen. Die kommen trotzdem noch zu den Spielen oder fragen zwischendurch mal, wie es denn so läuft. Also mir würde definitiv etwas fehlen!

Der heimische Faktor wird für Salo außerdem durch ehemalige Spieler unterstrichen, die sie auch nach Jahren an ihrer Wirkungsstätte besuchen. Ein Petr Gabriel kommt zum Beispiel gern mit seinem Kompagnon, dem Radim Kučera, vorbei, da sie Freunde in Bielefeld haben, was laut der Grand Dame des DSC-Fanshops stets zu sehr herzlichen Begegnungen führt.

Ein inniger Kontakt, der in der aktuellen Ära nicht mehr ganz so vordergründig zu sein scheint: Früher war das anders und man hat sich mehr miteinander unterhalten. Sebastian Hille ist jemand, der heute noch kommt und fragt, wie es geht. Bei den jungen Spielern sehe ich das weniger. Ich weiß nicht, ob das eine menschliche Sache ist oder es mit dem Alter zu tun hat, das damals durchschnittlich noch etwas höher war. Vielleicht gab’s da einfach schon mehr Lebenserfahrung?“, grübelt Salo laut, um am Ende trotzdem ein positives Fazit zu ziehen.

Natürlich gäbe es zwischendurch Spieler, die Bielefeld eher als Durchgangsstation wahrnehmen und dadurch nicht sehen, dass hier so viel mehr hinter steckt. Doch obwohl alles viel professioneller geworden ist, bleibt das Familiäre. Ich glaube nicht, dass du das bei vielen größeren Vereinen noch findest!

Fan- und Ticketshop
Melanchthonstraße 31a
33615 Bielefeld
0521-96611-211
www.arminia-bielefeld.de

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