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Höhenflug zwischen Angst und Attitüde: Falco als Musical
Foto: Marcel Klette

Höhenflug zwischen Angst und Attitüde: Falco als Musical

Am 19. Februar würde Johann „Hans“ Hölzl seinen 60. Geburtstag feiern. Als Falco schwang sich der Österreicher zum größten Popstar in der Geschichte seines Landes auf und war einer der wenigen deutschsprachigen Künstler, die selbst in den USA große Erfolge verbuchen konnten. Sein intensiver Lebensstil brachte jedoch viele Rückschläge mit sich, die vor fast 20 Jahren in einem plötzlichen Tod mündeten. Die biographisch angelegte Show Falco – Das Musical würdigt den nahenden Anlass mit einer mehrmonatigen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, die auch in Bielefeld Halt macht. Wir sprachen mit Hauptdarsteller Alexander Kerbst!  

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie erstmals mit Falcos Musik in Berührung geraten sind?
In der DDR war man nun nicht so angeschlossen an die westlichen Medien, aber „Rock me Amadeus“ habe ich damals, wie die meisten wichtigen Songs, dennoch mitbekommen. Eigentlich war ich in meiner Jugend aber kein wahnsinniger Falco-Fan – also zumindest nicht in dem Sinne, dass ich mir alle Platten hätte besorgen müssen.

Wie hat sich Ihr Blick auf Falco seitdem gewandelt?
Von Berufs wegen habe ich mich natürlich näher mit Falco befasst. Wenn man tief in diesen absurden Kosmos eindringt – Falco hat zum Teil ja sehr kryptische Texte verfasst, die sich nicht unbedingt beim ersten Hören erschließen – kann man eine Kunstsprache finden, die eine eigene Welt gebaut hat. Ihm zumindest.

Und wann ist Falco auf professioneller Ebene in Ihr Leben getreten?
Da muss man bis ins Jahr 2000 zurückgehen, als im Theater des Westens in Berlin das „Falco meets Amadeus“-Musical geplant wurde. Ich hatte dort kurz zuvor noch unter Helmut Baumann gespielt und einige Kollegen meinten, dass ich mich bewerben solle – ich sähe ja sowieso schon wie er aus. Elmar Ottenthal, damaliger Indentant  des TDW, hatte die Rolle allerdings schon an Axel Herrig vergeben und suchte eine Zweitbesetzung, die zudem im Ensemble mittanzt und bei Bedarf einspringen kann.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die Tanzchoreographien von Kim Duddy und anderen nicht von schlechten Eltern waren und man niemanden finden würde, der allen Punkten professionell gerecht wird. Letztlich gab es dann zwei oder drei alternierende Besetzungen, die aber lediglich Walk-In Cover waren; sprich nur eingesprungen sind, wenn beispielsweise Axel mal krank war und die ansonsten nicht am Stück teilgenommen haben. Insofern hat’s beim ersten Mal nicht richtig geklappt, aber ein Jahr später war ich noch einmal beim Vorsingen, bin in den Cast gekommen und war ab diesem Zeitpunkt immer als Cover dabei. Auf der letzten Tour haben Axel und ich uns die Auftritte dann ausgeglichen geteilt.

Foto: Marcel Klette

In den Folgejahren schlüpft Kerbst in mehreren Inszenierungen in die Rolle des exzentrischen Österreichers: Mal im Tanztheater Trier, mal im Rahmen einer Konzert-Tour mit Band. Vor anderthalb Jahren folgt schließlich der Anruf von Oliver Forster, der anlässlich Falcos 60. Geburtstags ein Musical auf die Beine stellen will.

Ist die neue Inszenierung eher buntes Best Of oder wird eine Lebensgeschichte erzählt?
Der Oliver Forster hat ja vorher schon zu Elvis, den Beatles oder ganz aktuell zu Tina Turner vergleichbare Shows produziert. Die sind allesamt biographisch aufgebaut, sogenannte Biopicals. Seiner Erfahrung nach werden die vom Publikum sehr gut angenommen. Wir halten uns im Buch also ziemlich genau an die Fakten, auch wenn natürlich immer etwas gekürzt und komprimiert werden muss. Insofern erzählen wir tatsächlich Falcos Lebensgeschichte anhand der Songs, wobei wir versuchen, eine chronologische Reihenfolge  zu berücksichtigen – auch, wenn das aus dramaturgischen Gründen nicht immer möglich ist, weil ein bestimmter Fluss entstehen und eine Steigerung stattfinden soll; damit wir grundsätzlich ein Musical bekommen.

Zwei Kunstgriffe haben wir uns außerdem erlaubt: Der erste betrifft den Erzähler, der bei uns Falcos fiktiver Manager ist. Horst Bork war das im echten Leben lange, unsere Rolle basiert aber nicht direkt auf ihm und ist eher allgemein gehalten. Außerdem haben wir zwei Figuren entworfen, die sozusagen Engel und Teufel auf Falcos Schulter verkörpern und nur für ihn zu sehen sind; die gute und die gefährliche Seite. Allegorische Figuren, die innere Dialoge äußerlich erlebbar machen.

Welche Zeitspanne wird behandelt?
Ich habe von Drahdiwaberl [Anarcho-Band, in der Falco Anfang der 80er spielte; Anm.] einige unglaubliche Videoausschnitte gesehen – und da fangen wir an, mit Falcos erstem Hit „Ganz Wien“. Relativ schnell folgte dann ja „Der Kommissar“ und er schoss von null auf 100. Den Auftritt, den er sich dann zugelegt hat, also dieses Exaltierte und die Arroganz, ist meiner Ansicht nach aus einer Not heraus entstanden: Je mehr er von Journalisten und anderen Menschen ausgefragt wurde, desto tiefer hat er sich in diese Attitüde geflüchtet.

Foto: Marcel Klette

Was ist an deren Darstellung besonders herausfordernd?
Falco war ganz oben und ganz unten, mehrmals im Leben. Die Amplituden sind ziemlich groß, was für die Bühne fantastisch ist. Wir haben Wert darauf gelegt, Falco nicht nur als präpotentes Arschloch zu inszenieren – wie er es selber oft getan hat -, sondern zeigen auch sehr private Seiten. Selbstzweifel, Angst oder den Umgang mit Drogen, der immer wieder ein Faktor und einerseits destruktiv war, andererseits vielleicht aber überhaupt erst Hits hervorgebracht hat.

Den schüchternen Hans wollte keiner sehen, sondern den Falco, der alles im Griff hat und überall hoch wie nie fliegt. Dieser Spagat zwischen „Ich muss den starken Typen darstellen“ und „Ich bin eigentlich sehr sensibel“ ging immer weiter auseinander und war irgendwann wahrscheinlich nicht mehr auszuhalten. Wir glauben, dass darin auch der Grund für Falcos frühen Tod liegt: Zwar war es ein tragischer Autounfall, aber der hatte ja eine Vorgeschichte. Es passieren keine Zufälle.

Blicken Sie dem Auftritt in Wien eigentlich besonders gespannt entgegen?
In Wien bin ich mit der Konzerttour bereits in der Stadthalle F aufgetreten, wo immerhin 2000 Leute reinpassen. Damals hatte ich wirklich wahnsinnigen Respekt. Wenn man dort als Deutscher den Falco gibt, weiß man ja vorher auch nicht, wie das wohl ankommt. „Da kommt so a Piefke daher und zeigt uns, wie der Falco gewesen sein soll“…ich war sehr aufgeregt, aber das Publikum war wunderschön und sehr bewegend. Insofern überwiegt die Vorfreude!

FALCO – DAS MUSICAL
Dienstag, 14.02., Stadthalle Bielefeld
Mittwoch, 22.02., OsnabrückHalle

www.falcomusical.com / www.karten-online.de

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