Facebook
Mazn: Pizza Katze im kleinen Kreis
Foto: Florian Nagel / Einsinn

Mazn: Pizza Katze im kleinen Kreis

Mindener Beatbox-Champion über Technik, Battles und Bekanntschaften von Dauer

Wenn Matz Voth nicht gerade seiner Pflicht als Pädagoge nachkommt, kümmert er sich auf Hochzeiten, Firmenfeiern, Geburtstagen, Teambuilding-Events oder aber Workshops und Wettbewerben um beeindruckende Beats. Ohne Platten oder USB-Stick, wohlgemerkt: Der gebürtige Mindener ist leidenschaftlicher Beatboxer und bietet dabei weit mehr als eine nette Partyattraktion, wie sein Status als amtierender Norddeutscher Meister eindrucksvoll belegt. Bevor der nächste Titel anvisiert wird, erklärt er sein schönstes Kompliment an Musik – die Imitation mit Mund, Nase und Vokaltrakt – näher.

Fangen wir chronologisch an: Wie bist du ans Beatboxing geraten?
Das war vor 14 oder 15 Jahren. Man hatte damals ja noch Musik auf Festplatten und hat die gelegentlich mal durchgehört; so bin ich bei einem Freund eines Tages auf einen Song gestoßen, wo ein Kerl beatboxt – hatte man schonmal gehört, sowas. Er hat dabei aber auch gesungen. Ich habe das einfach nicht glauben können, Leute ausgefragt, mir das immer wieder angehört und angefangen, es selbst zu probieren. So oft, bis ich es genau so wie er konnte.

Was macht – neben dem Vocal-Multitasking – den Reiz der Sache für dich aus?
Dass ich Leute genauso faszinieren und zum Tanzen bringen kann wie jemand, der mit teurem technischem Equipment auflegt. Dafür brauche ich nur ein Mikrofon, meinen Mund, meine Nase und meinen Vokaltrakt.

Eine technische Ebene der anderen Art gibt es dennoch für dich.
Klar. Zunächst einmal sollte man dahinter kommen, wie ein Geräusch überhaupt klingt. Man muss viel zuhören, um es imitieren zu können. Wenn ich zum Beispiel eine Mikrowelle einschalte, beim Surren und Piepen genau hinhöre und es jedes Mal direkt nachmache, habe ich den Ton irgendwann raus. Die Musik in die Beatbox zu bringen ist gar nicht so schwer, wenn man Taktgefühl hat – die möglichst originalgetreue Imitation eines Tons manchmal schon.

Übung macht den Meister.  Aber kannst du beschreiben, was genau in deinem Mund passiert, wenn du beatboxt?
Da wären die Basics: Erstmal das P als Kickdrum, das scharfe S als Hi-Hat und das variable K, mit dem man als Snare viele verschiedene Töne machen kann. Mit der Wortfolge „Pizza Katze“ kann man das trainieren. Am Anfang arbeitet man komplett mit der Lunge, während Druck im Mund eher etwas für Fortgeschrittene ist. Man presst die Lippen für das P aufeinander und muss sie ein bisschen „explodieren“ und vibrieren lassen.

Früher oder später findet man einen optimalen Pressurpunkt – manche haben ihn links, andere rechts oder vorne. Besonders gut erkennt man den, wenn man sich dabei leicht die Ohren zu hält. Klingt das dumpf und basslastig, ist man nah dran an einer guten Kickdrum.

[Zahlreiche Demonstrationen und Eigenversuche folgen]

Ansonsten hilft „Pizza Katze“ auch, den Takt zu finden. Später lässt man die Vokale weg oder spielt mit dem Beat; etwa „Pi-Pizza-Ka-Katze“, und irgendwann kann man versuchen, einzelne Töne zu variieren.

Dabei das Atmen nicht vergessen! Danach werde ich häufiger gefragt und natürlich gibt es hier kleine Tricks: Man kann beim K zum Beispiel ein- statt ausatmen; diese inward snare klingt dann deutlich weicher und flashiger.

Wie ist das Thema für dich persönlich schließlich größer geworden?
Mich hat 2008 ein anderer Beatboxer angeschrieben – noch über MySpace! – den ich damals sehr gefeiert habe und auch heute noch zu den Besten zähle, Soulrock. Der hat mich zu einem Meeting in Berlin eingeladen, was ich an sich schon sehr cool fand. Aber als ich dann ins Hotel kam und gesehen habe, dass da all die Beatboxer, die ich von YouTube kannte, standen…das war das Paradies.

Ich habe jeden angequatscht, man hat sich kennen gelernt, voneinander gelernt, es war  direkt sehr familiär. Es gibt nicht viele Beatboxer auf der Welt, aber in diesem relativ kleinen Kreis kennt man sich. Deswegen bin ich auch bis heute, mittlerweile als einer der Älteren, am Ball geblieben – wegen diesen paar Leuten, die das nach wie vor gerne praktizieren und an Wettkämpfen teilnehmen.

Und wie laufen die ab?
Also bei der Norddeutschen Meisterschaft gab es 20 Teilnehmer, die sich zwei Minuten einer Jury stellen. Durch Punktverteilung werden die besten acht daraus ausgewählt, die dann in Paarungen gegeneinander antreten. Bei der nächsten Deutschen Meisterschaft, die am 01. April in Berlin stattfindet, dürfte das ähnlich laufen.

Bei einem Rap-Battle sieht man in der Regel gut aus, wenn man seinerseits schlagfertig auf die Punchlines seines Gegners eingehen kann. Gibt es bei euch etwas Vergleichbares?
Das ist sehr ähnlich. Ein Münzwurf entscheidet meist, wer anfängt. Derjenige hat 90 Sekunden und kann sein eigenes Ding durchziehen. Sicherlich kann der Typ, der danach dran ist, den Beat direkt aufgreifen und zeigen, dass er echt einfach für ihn ist – und ihn dann noch krasser bringen. Nach einer weiteren Runde entscheidet die dreiköpfige Jury. Die bewertet zu diesem Zeitpunkt die gesamte Präsenz und achtet auf die Reaktion des Publikums, technisches Können oder Originalität. Als Mitglied muss man sich da von seinem Gefühl leiten lassen.

Ist ja auch kein Boxkampf, bei dem man Treffer und Schläge zählen kann.
Genau. Es gibt da so ein paar Battlemoves – viele bringen zum Beispiel diese Nummer ein, wo sie einen Reißverschluss auf- und zuziehen und dazu ein Scratchgeräusch machen. Wenn du ein paar dieser Kleinigkeiten passend einbaust, den Gegner damit veralberst und die Leute zum Lachen bringst, hast du fast schon gewonnen.

www.facebook.com/BeatboxMazn & www.facebook.com/BeatboxBattle

Vergleichbare Artikel