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Vor dem Abschied: Eddie’s Revenge blicken zurück
Foto: Birgit Silbernagel

Vor dem Abschied: Eddie’s Revenge blicken zurück

Wenn sich Männer in Bielefeld zusammentun, um Metal zu spielen, klingt das selten besser als bei Eddie’s Revenge. Obwohl sie keine eigenen Songs schreiben? Eben deswegen, werden andere nun im Brustton der Überzeugung entgegnen: Seit 2004 haben Frontröhre Markus, die Gitarristen Mac und Sebastian, Bassist Peter und Drummer Guido die anbetungswürdigen Klassiker von Iron Maiden im kleineren Rahmen auf die Bühne gebracht und sich dadurch ihre eigene Fanbase erspielt. Die muss sich nun jedoch mit dem Ende des Tributes abfinden, dessen Gründe beim rekordverdächtigen dritten Update-Interview natürlich ebenfalls Thema waren.

Wir müssen uns zuerst mit dem Elefanten im Raum befassen: Das Konzert im Stereo wird euer letztes sein. Warum ist das so?
Peter Wir fangen an, uns zu mögen. Das geht gar nicht. Deshalb hören wir auf. Aber im Ernst, es gibt verschiedene Gründe…
Guido Berufliche, gesundheitliche, familiäre. Wir haben über 170 Konzerte gespielt. Im Jahr legen wir locker über 10.000 Kilometer zurück, da geht Zeit bei drauf und es kostet viel Kraft – gerade, wenn man parallel arbeitet und eine Familie zuhause hat. Wir bleiben trotzdem weiter Freunde, gehen zusammen grillen, haben eine WhatsApp-Gruppe und lösen uns so gesehen definitiv nicht auf.

Ihr habt eure Abschiedstour bereits im Februar angekündigt. Wusstet ihr zu diesem Zeitpunkt schon länger, dass Schluss ist?
Guido Natürlich entscheidet man so etwas nicht von einem Tag auf den nächsten. Wir wollten alle Sachen vernünftig zuende bringen, die – wie für Tributes üblich – lange im Vorfeld gebuchten Auftritte spielen und uns mit den Fans noch ein paar schöne Abende gönnen. Wir kosten es bis zum Schluss aus, doch dann ist das Projekt beendet.
Peter Den Gedanken, auszusteigen, hatte zwischenzeitlich fast jeder schon. Mac war sogar schon so gut wie raus und wollte nur noch weitermachen, bis wir einen Neuen gefunden haben. Das ist zum Glück nie passiert! Ich hätte nämlich gar keine Lust, Eddie’s Revenge in neuer Besetzung fortzuführen, also haben wir im Februar einfach Nägel mit Köpfen gemacht.
Markus Was wir als Tribute-Band erreicht, was wir da für ein Monster erschaffen haben…das ist all den Fans und Veranstaltern zu verdanken. Wir spielen noch einmal vor ausverkauftem Haus im Stereo und können sagen, dass wir aufhören, wenn es am schönsten ist.

Foto: Birgit Silbernagel

Foto: Birgit Silbernagel

Wie geht es euch kurz vor euren letzten Konzerten? Fühlt sich die Vorfreude anders an?
Peter Die Konzerte werden wie immer gespielt, die Leute erwarten und verdienen 100 Prozent Maiden von uns. Aber sicher geht man da mit einem lachenden und einem weinenden Auge ran, Bielefeld dürfte für einige wirklich sehr emotional werden.
Mac Ich freue mich tatsächlich auf etwas mehr Freiheit danach. Wenn man am Wochenende nicht mehr stundenlang im Bulli sitzen muss, obwohl man eigentlich kaputt ist oder gern etwas anderes machen würde.
Peter Das Drumherum und der zeitliche Aufwand sind das Schlimme. Neulich haben wir in Solingen gespielt und waren gegen halb zehn abends auf der Bühne, mussten dafür aber um 13 Uhr los. Um Viertel vor Fünf morgens war ich dann wieder zuhause.
Guido Andere Musiker werden meinen, dass derartige Trips doch ein Traum seien. Das dachten wir vor zehn Jahren auch. Aber das Leben verändert sich und wir werden alle nicht jünger…

Wenn die ständigen Strapazen ein Hauptgrund für euer Aus sind, muss ich nachbohren: Würdet ihr nach gebührendem Bandurlaub für vereinzelte Shows zurückkehren?
Markus Ich kann mir vorstellen, dass es den Jungs irgendwann wieder in den Fingern juckt. Wenn sich die Leute dann noch an uns erinnern und die Resonanz da ist, will ich nichts ausschließen. Ich würde aber auch nicht darauf pochen, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Wir können nicht in die Zukunft schauen und müssen gesund bleiben. Insofern ist die Band wie eine Familie: Kein Mitglied wird einfach ersetzt; dann wäre es schließlich auch keine echte Reunion mehr.
Peter Wir halten es da mit Sean Connery…sag niemals nie.

Foto: Birgit Silbernagel

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Zumindest der Abschiedsabend ist mit dem Konzert sicher noch nicht rum, richtig?
Peter Die Jungs vom Plan B planen für den Abend ohnehin eine Metal-Party und nachdem Guido mit denen telefoniert hat, haben wir die zur offiziellen Aftershow-Location ausgerufen. Die Leute sind also herzlichst eingeladen, noch ein bisschen mit uns zu feiern. Nur hoffentlich nicht alle 550, sonst wird’s eng!

Wo habt ihr euren größten Gig gespielt?
Markus Pfeffelbach? Rathausplatz?
Peter Vom Publikum her müsste das der Leinewebermarkt gewesen sein.
Sebastian Für mich persönlich war’s das Eier mit Speck-Festival, nach Volbeat. Das war nicht nur einer unserer größten Gigs, sondern überhaupt mein erster Auftritt mit der Band.
Markus Auch nicht zu vergessen ist das Z7 in Pratteln, Schweiz. Das ist echt ‘ne Hausnummer.
Peter Wenn du da im Stuhl sitzt, in dem Alice Cooper gestern noch vor seinem Konzert saß…am geilsten ist aber die eigene Waschmaschine.
Mac In Sachen Bühne und Technik wohl der professionellste Auftritt, den wir je hatten!

Foto: Birgit Silbernagel

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…und den kleinsten?
Peter Wir haben einen Tag, bevor Maiden selbst dort waren, in Dortmund gespielt. Das war 2006. Markus hat statt seiner geplanten „Scream for me, HappyHappyDingDong“-Ansage dann doch lieber den Stadtnamen genutzt…Götz Kühnemund, damals Chefredakteur beim Rock Hard, war auch da.

Aber natürlich war er das. Hat er sich zu euch geäußert?
Guido Er hat geweint und unsere Schuhe eingesammelt.
Peter Götz ist ja riesiger Maiden-Fan seit 1980 und hat uns daher erklärt, was wir noch „müssen“. Aber alle zufriedenstellen kannst du gar nicht – wenn wir fünf Stunden spielen, fehlt manchen immer noch dieser oder jener Song.

Gibt’s auch einen legendär verkorksten Gig?
Markus Klar gab es mal Konzerte, bei denen man sich nicht so wohlgefühlt hat oder irgendetwas schieflief. Die Anzahl der guten Gigs überwiegt aber klar – sonst hätten wir das auch keine zwölf Jahre durchgezogen.
Sebastian Zumindest recht hart war für mich ein Auftritt in der Weberei: Ich bin gerade aus China wiedergekommen, vom Flughafen mit dem Zug zurück, bin hier direkt ins Auto und stand wenig später auf der Bühne. Minutiös getimed!
Markus In die Rubrik „Peinlich und kurios“ fällt unser erster Auftritt in Solingen in der Cobra. Wir hatten unsere Pyro-Anlage aufgebaut, die uns soweit niemand verboten, allerdings auch niemand ausdrücklich erlaubt hatte…während „The Wicker Man“ war dann plötzlich der Saft weg, das Clublicht wurde über Notstrom eingeschaltet, die Sirene heulte, nichts ging mehr.
Peter Leider hingen direkt über der Bühne Rauchmelder. Aber Lob an die Feuerwehr – es hat keine drei Minuten gedauert, bis ein kompletter Löschzug da war. Nach 45-minütiger Pause durften wir sogar weitermachen und haben durch den Vorfall so einen Status erreicht, dass wir für die nächsten fünf Jahre gebucht wurden. Die Feuerwehr-Rechnung hängt gerahmt im Proberaum…

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Foto: Birgit Silbernagel

Wo wird man euch nach Eddie’s Revenge sehen und hören können?
Markus Niemand hat die Absicht, in einer neuen Tribute-Band einzusteigen. Batti und ich werden weiterhin bei Hydra’s Fate zusammenspielen und was die anderen so machen, zeigt die Zeit.

Mehr denn je: Die letzten Worte gebühren euch.
Peter Wir müssen uns definitiv bei all den Leuten bedanken, die uns in den ganzen Jahren unterstützt haben. Fans, Freunde und unsere Familien, die uns den Rücken freigehalten haben. Veranstalter, die uns immer wieder gebucht haben. Magazine, die uns unverständlicherweise jedes Jahr zum Interview eingeladen haben…wir hoffen, dass man uns unsere Entscheidung nicht verübelt und wir Freunde bleiben!

Das letzte Konzert
12 not so Wasted Years
Samstag, 10.12.2016, 20 Uhr
Stereo Bielefeld / Ausverkauft!
www.eddiesrevenge.com

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