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Kommerz mit Herz: Yvi Wylde entstaubt die Achtziger

Besonders auf den Bühnen unseres Bundeslandes ist Yvi Wylde – bürgerlich Yvonne – seit Jahren in verschiedenen Konstellationen zu sehen. Zuletzt war sie samt ihrer Mitstreiter jedoch im Studio fleißig, was die jüngst erschienene Scheibe „The Supersonic Karma“ zur erfreulichen Folge hatte. In einem angenehm unverblümten Gespräch gibt die 31-jährige Sängerin und Gitarristin Auskunft zu ihrem Werdegang, kommerziellen Gedanken beim Songwriting oder der Schwierigkeit, anderen Menschen den eigenen Stil verständlich zu machen.  

Trifft mein Verdacht zu, dass du schon früh mit offenen, interessierten Ohren durchs Leben gegangen bist?
Ganz so früh fing es bei mir tatsächlich gar nicht an. Ich war schon 15 Jahre alt, als ich mit der Musik losgelegt habe.

Ich meinte das gar nicht unbedingt auf’s aktive Dasein bezogen, sondern aufs „normale Hören“.
Das geschah eigentlich alles recht parallel. Natürlich geht Musik nicht an einem vorbei, man hört ja Radio, aber ich hatte bis dahin nie eine richtige Lieblingsband. Großes Interesse kam wirklich erst auf, als ich selber angefangen habe, Musik zu machen. Zunächst war ich besonders den Siebzigern zugewandt, Deep Purple und so. Später habe ich dann die Popmusik der Achtziger für mich entdeckt; die ist bis heute geblieben.

Definitiv das beste Jahrzehnt für Pop. Und sei es nur, weil grundsätzlich noch so viel Rock drin war.
Hehe, das stimmt. Ich mag Nummern mit coolen Soli oder harten Gitarren – wie Huey Lewis, Roxette oder auch Michael Jackson sie hatten.

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Ein Kirschblütenfest im beschaulichen Enger später entschließt sich die junge Yvi, motiviert von einer dort auftretenden Coverband, selbst zur Gitarre zu greifen: Mit einem klassischen Einsteiger-Kit vom Weihnachtsmann ausgerüstet, bleibt sie entgegen allgemeiner Skepsis dauerhaft dabei – nach etwas autodidaktischem Warm Up nimmt sie Unterricht und ihre Ambitionen allmählich Form an.

Irgendwann wolltest du nicht mehr nur lernen, sondern schreiben und in einer Band spielen.
Ja. Ein halbes Jahr später habe ich mich auf eine Anzeige in der Ultimo gemeldet. Das war eine komplett männlich besetzte Coverband, aber alle waren etwa in meinem Alter, also bin ich eingestiegen. Erwartungsgemäß wurde dann erst einmal gecovert, doch der Wunsch, eigene Songs zu schreiben, kam natürlich auf. Und ich weiß es noch genau, ich hab‘ ihn noch auf Platte – der erste Versuch hieß „Headshot“ und war doch recht…experimentell.

Inwiefern?
Momentan mache ich am ehesten dieses 3:30-Ding mit Strophe, Hook, vielleicht noch einem B-Part. Der Song war aber ganz anders und noch ziemlich von den Siebzigern beeinflusst: Über sieben Minuten lang, mit zehn verschiedenen Parts. Und naja, er hieß „Headshot“ – bedingt radiotauglich.

Schnellvorlauf: Anfang Mai hat Yvi Wylde ihr Album „The Supersonic Karma“ nach reiflicher Abwägung des passenden Titels über Timezone Records veröffentlicht. Verstärkt von Hendrik am Bass und  Rolf am Schlagzeug wurden zehn Stücke auf CD gebannt, die in der Tat stark an die glorreichste Dekade der Populärmusik erinnern – gitarrenbasierte Tracks mit Airplay-Potential, die gleichzeitig den feinen Unterschied zwischen eingängig und aufdringlich verstanden haben.   

Hat sich deine Motivation hinter der Musik im Laufe der Jahre verändert?
Hm, gute Frage. Ich hatte immer Spaß daran, aber mittlerweile denke ich schon kommerzieller orientiert. Wenn ich zuhause sitze und spiele, versuche ich etwas zu erschaffen, das anderen Leuten gefällt. Es wäre gelogen, wenn ich behaupte, dass mir ein „Hey, das ist ein cooler Song“ nicht schmeichelt.

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Interessante Entwicklung, da sich viele Musiker mit zunehmender Erfahrung eher weniger als mehr für ihre Massentauglichkeit zu interessieren scheinen. Ausnahmen bestätigen die Regel…
Du musst ja auch wissen: Das war anfangs nur ein Hobby, von dem ich nicht wusste, wohin es letztlich führt. Heute bereitet mir Musik so viel Freude und lässt mich Zeit und Sorgen vergessen; auf der Bühne oder beim Schreiben…da hätte ich Bock, nur noch das zu machen.

Auf den Mainstream-Appeal bezogen denke ich mir deine Musik in so einer Art Grauzone. Catchy und gut gemacht ist sie definitiv. Würdest du aktuellen Vorlieben unbedingt entsprechen wollen, könntest du dir die Mühe aber auch sparen und einen sommerlichen House-Beat mit Saxophon und Samples vollklatschen.
Genau. Das stimmt und macht die Vermarktung meiner Sache schwieriger. Es ist im Grunde, was in den Achtzigern als Pop verstanden wurde und heutzutage halt nicht mehr besonders präsent ist. Manche Zuhörer haben dadurch Probleme, meine Lieder einzuordnen.

Derzeit angesagte Musik finde ich meist allerdings nicht so schön. Außerdem kommt man immer zu spät, wenn man auf einen Zug aufspringt. Wenn du dir denkst: „Ab jetzt will ich wie Rihanna klingen“, erreichst du sie zum einen ohnehin nie und zum anderen wandelt sie sich in dieser Zeit längst weiter. Deshalb muss man in den sauren Apfel beißen und sein eigenes Ding durchziehen – auch, wenn es viel Arbeit ist.

Neuigkeiten, Live-Termine und Wissenswertes zu Yvis aktuellem Album finden Interessenten unter www.yviwylde.de oder www.facebook.com/yviwylde!

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