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Tom Clancy’s The Division

Was tun, wenn ein böswillig gezüchteter Virus ausgerechnet zum kollektiven Shoppingwahn am Black Friday in New York freigesetzt wird und die Stadt in einen Zustand versetzt, dem zum Prädikat „postapokalyptisch“ nicht viel fehlt? Klare Sache: Man folgt einer gelben Linie, schießt auf die Leute an deren Ende, weiß die dabei durch die Luft fliegende Zahlen zu schätzen und schnappt sich schließlich alles, was der ehemalige Besitzer nun ohnehin nicht mehr braucht. Wiederholen!

Aus einem spöttisch-skeptiscdivision04hen Blickwinkel betrachtet mag dies eine durchaus akkurate Umschreibung von „The Division“, dem neuen Shared World-Shooter aus dem Hause Ubisoft, sein. Irgendwie ist es dem Entwicklerstudio Massive jedoch gelungen, diese simple Formel auch nach über 50 Stunden Spielzeit aufregend zu gestalten – obwohl (oder gerade weil) dabei so ziemlich alle Suchtfelder, in denen sich ein handelsüblicher Videospieler verlieren kann, ungeniert abgegrast werden.

Nach bester RPG-Manier levelt man einen Agenten und die Basis der titelgebenden Division auf, um dadurch Zugang zu einer nicht versiegenden Equipment-Quelle zu erhalten. Waffen, Westen, Rucksäcke, Knieschoner und co. treten in immer wertvolleren Varianten  auf und verursachen noch größeren Schaden, bieten noch besseren Schutz und so weiter. Wie angedeutet hilft es beim Hängenbleiben ungemein, wenn man auf wachsende Zahlen beim Plündern steht; „Diablo“, „Borderlands“ oder „Destiny“ lassen grüßen.

Hinzu kommt, dass man sich nicht alleine durch den extrem detailreich digitalisierten Midtown-Teil von Manhattan schlagen muss. Story-Missionen können mit bis zu drei Online-Mitspielern angenommen werden und sorgen für Höhepunkte, da schnell ein beflügelndes „Wir gegen den Rest der Welt“-Gefühl einsetzt und die chaotischen Schießereien einen cineastischen Charakter entwickeln, wenn man seinem Mitstreiter unter Kugelhagel in letzter Sekunde ein rettendes Medikit zuspielt.

In der sogenannten Dark Zone ist Hilfsbereitschaft weniger selbstverständlich, da dort besonders kostbare Items zu holen sind. Diese müssen extrahiert werden, was andere Spieler aus Fleisch und Blut wiederum verhindern und sich stattdessen selbst bereichern wollen – misstrauische Standoffs und erbitterte Rachegelüste sind gängige Folgen. Ein paar „richtige“ Missionen wären hier jedoch sinnvoll, um Leute bei der Stange zu halten.division03

Ubisoft scheint tatsächlich redlich bemüht, seinem aktuell heißesten Eisen im Portfolio ein langes Leben zu bescheren: Als diese Zeilen entstehen, ist ein weiterer, substanzieller Patch gerade erst erschienen und generell wird „The Division“ in der Zukunft noch viele Veränderungen durchleben, die das Spiel an seine Nutzer anpassen und um Inhalt erweitern sollen.

Ein finales Fazit wäre insofern unfair oder zumindest in Kürze ohnehin wieder veraltet. Die Grundlage für ein dauerhaft motivierendes Online-Erlebnis ist in Form von tadelloser Mechanik, der Gier nach Loot und Leveling oder den dynamischen Interaktionen mit echten Zockerfreunden aber definitiv schon jetzt gegeben – wie gut sie langfristig genutzt wird, zeigen die nächsten Wochen und Monate.

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